Gastautoren

Tabea


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Die Internet-Predigt


Ich saß am PC und traute meinen Augen nicht:
Las ich dort eine Predigt voll christlichem Licht.
Wundervolle Worte, rhetorisch gut verpackt,
strahlten mir entgegen, doch meine Seele war nackt.

Niemand kleidete sie, mit dem Mantel der Liebe.
Alles was ich kannte, waren Tritte und Hiebe.
Ich konnte den Namen des Verfassers lesen
und aus - war es mit meiner Haltung gewesen.

Ich dachte zurück, denn ich kannte ihn gut:
Ein "Gottesmann" - doch ich spürte nur Wut.
Wie konnte er nur solch ein Heuchler sein?
War sein Gewissen tatsächlich so rein?

Er ließ mich im Stich in der größten Not,
es waren die Wochen nach Julias Tod.
Sie kam nicht zur Welt, ist schon vorher gegangen.
Ich glaube, mein Herz hat doch sehr an ihr gehangen.

Ganz anders er - der "Gottesmann",
den nichts so schnell erschüttern kann.
Er hat sie längst vergessen - unsere Kleine.
Bekennermut - das ist nicht so das Seine.

Ich gehör nicht wie er, zur Oberschicht,
bin in Gottes Welt nur ein kleines Licht.
Seine Kirche, die liegt ihm sehr am Herzen,
doch bereiten mir seine Worte oft Schmerzen.

Er stellt sich dar, als edler Kirchenmann,
der keinem Menschen etwas Böses kann.
Doch wenn es drauf ankommt, ist er nicht da,
ihr könnt es ruhig glauben, denn es ist wahr.

Mich täuscht die frömmste Predigt nicht.
Er hat mir gezeigt, sein wahres Gesicht.
Die anderen können ihn lieben und ehren,
ich will es ihnen bestimmt nicht verwehren.

(Der Volksmund sagt:
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Und Jesus sprach einst:
Was ihr NICHT getan habt einem von diesen Geringsten,
das habt ihr mir auch NICHT getan...)



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