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Wohnland Hosenjodler
Herrn Hosenjodler
- persönlich -


Kaufvertrag 12345 - Belegnummer: 67890 - Kunde: Don Dobermann


Sehr geehrter Herr Hosenjodler,

am 19.02.1996 haben wir unter der obengenannten Kaufvertragsnummer ein Bett mit dem klangvollen Namen PRIMAVERA erworben.

Eigentlich hatten wir uns für ein anderes Bett, der Firma Gut & billig entschieden und eher zufällig waren wir in Ihrem Haus und haben das Bett entdeckt. Nun, Sie wissen vielleicht wie das ist, es war genau das, was wir gesucht hatten. Der Preis lag in unserem gedachten Rahmen und wir haben das gute Stück gekauft.

Am 20.02.1996 haben wir das Bett bei Ihnen abgeholt, es zuhause ausgepackt und festgestellt, dass das Kopfteil eine wenig professionelle Schweissnaht an der Vorderseite und das Fussteil ain der Metallverstrebung ein recht grosses Loch aufweist. Ausserdem ist der eigentliche Teil des Bettes, der Metallrahmen ziemlich verkratzt. Kopf- und Fussteil, sowie der Metallrahmen, haben in den seitlichen steckbaren Befestigungen Löcher - also gingen wir davon aus, dass die dazugehörigen Schrauben fehlen - wozu gibt es sonst Löcher?

Wir haben uns mit Ihnen telefonisch in Verbindung gesetzt und erfahren, dass Sie uns die fehlerhaften Teile am nächsten Morgen, so am Lager vorhanden, austauschen würden. Meine Frau hat sich also am nächsten Morgen auf den Weg gemacht, nur das Fussteil eingepackt, weil dieser Verarbeitungsfehler doch augenfällig war und sie in ihr Auto den Rest auch gar nicht hätte einladen können. Bei Ihnen dann erfuhr sie, dass für die oben beschriebenen Löcher gar keine Schrauben vom Hersteller vorgesehen sei - ist uns nach wie vor ein wenig unbegreiflich, aber auch Ihr Ausstellungsstück ist so montiert. Wir haben das gute Stück mittlerweile mit Schrauben versehen und fühlen uns damit sicherer. Das von Ihnen anstandslos ersetzte Teil stammt übrigens von einem Bett, dass wegen des Rostes zurückgegeben wurde, wie uns Ihr Mitarbeiter mitteilte, nur wussten wir zu diesem Zeitpunkt mit diesem Wissen noch nichts anzufangen. Das sollte sich aber bald ändern ...

An dieser Stelle möchte ich Sie anhalten, mit Interesse weiterzulesen, denn das Beste kommt erst noch!

Wir haben das Bett dann also montiert und seelig, wenn auch recht weich, trotz einer Stiftlatexmatraze, geschlafen. Bis zum Samstag morgen ...

Beim "Guten Morgen" an meine Frau brachen nämlich im mittleren Bereich des Rostes zwei Latten aus - nicht dass Sie denken, wir wären überproportional schwer mit zusammen knapp 140 Kilogramm denke ich, sind wir eher durchschnittlich gewichtet.

Was war passiert - die wohl zu wenig tragfähig dimensionierten Latten des Bettes waren aus ihrer seitlichen Verankerung einfach herausgerutscht und unsere Matraze neigte sich in der Mitte stark nach unten.

Tja... Samstag mittag war bei Ihnen keiner mehr erreichbar - jeder befand sich im wohlverdienten Wochenende und wir hatten die Wahl, die nächste Nacht auf dem Boden (selbstverständlich mit Matraze) zu verbringen und das Bett abzubauen (unsere Wohnung ist nunmal nicht die Grösste), oder aber uns etwas einfallen zu lassen. Also haben wir den Rost mit Brettern und Büchern so unterlegt, dass wir der Gefahr eines erneuten Einbruchs nicht länger ausgesetzt waren.

Nun haben wir überlegt, dass es eigentlich eine Unverschämtheit ist (verzeihen sie das harte Wort, aber man denkt durchaus so, wenn ein elemetarer Bestandteil der Wohnungsmöblierung nicht so funktioniert, wie er soll) und dass wir das gute Stück zurückbringen werden. Andererseits ist es, wie bereits eingangs erwähnt, das Bett das uns gefallen hat. Ausserdem haben wir beschlossen, dass wir keine Lust auf eine endlose Diskussion zum Thema Wandelung/Erstattung des Kaufpreises haben. Wir sind uns ziemlich sicher, dass sich in Ihren Allgemeinen Vertragsbestimmungen etwas entsprechendes finden lässt und ... wir wollen ja nicht vergessen, dass uns das Bett (rein äusserlich betrachtet) ja auch gefällt.

Also haben wir erneut unseren Erfindungsreichtum eingesetzt und uns das Mitdenken (?) des Herstellers zunutze gemacht, der rund um den Bettrahmen und oberhalb des eigentlichen Rostes, eine Auflagefläche aus Metall belassen hat. (Wer weiss - vielleicht kennt der Hersteller ja die Qualität und die Tauglichkeit seines Produktes.)

Also haben wir uns heute, bei der Firma "Schrauben" im Einkaufs-Center eine 16 Millimeter starke Tischlerplatte zurechtschneiden lassen und sie exakt auf diesen Metallrahmen (dem Hersteller sei Dank) eingepasst. Diese Tischlerplatte hat unseren Etat mit "lächerlichen" 107,-- DM belastet (Rechnung kann bei Bedarf gerne eingesehen werden).

Nachdem das Ganze nun, durch die vom Hersteller nicht vorgesehene Mittelverstrebung aus Metall, trotz allem noch ein wenig wippt, werden wir das Ganze nun noch ein wenig mit Backsteinen oder anderem geeigneten Material unterlegen und dann haben wir was wir wollten - unser Bett incl. unseres Ideenreichtums. Falls Sie also im weiteren Verkauf dieses Modelles weitere Schwierigkeiten haben sollten, können wir Ihren Interessenten gerne raten, wie sie das gute Stück im Eigenumbau und mit zusätzlichen finanziellen Mitteln zu einem brauchbaren Bett umrüsten können.

Wie Ihnen in der Zwischenzeit kaum entgangen sein dürfte, haben wir unserem Missmut in sarkastischen Worten Ausdruck verliehen. Wir erachten diese Methode als deutlich sinnreicher, als seinem ärger auf andere Art und Weise Luft zu machen. Das soll Sie aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in grossem Masse unzufrieden sind. Wir haben das Bett gekauft, um uns eine Freude zu machen und nicht um unsere Kreativität unter Beweis zu stellen. Desweiteren sind wir der Überzeugung, dass durch die Mängel an diesem Bett unter Umständen ernstliche gesundheitlichen Gefahren für den Benutzer entstehen.

Daher stellen wir Ihnen im eigenen Interesse dringend anheim, sich dieses Produkt einmal näher zu betrachten und es aus dem Verkehr zu ziehen. Eine Rückgabe an den Hersteller dürfte für ein Haus wie das Ihre sicherlich kein ernstzunehmendes Problem darstellen und ich bin mir sicher, dass Sie damit vielen Leuten und letzlich sich selbst jede Menge ärger und in einem ungünstigen Fall auch gesundheitliche Schäden ersparen.

Um es deutlich zu sagen - von Ihrer Rückäusserung werden wir es abhängig machen, die entsprechenden Stellen über diesen Missstand zu unterrichten.

Davon unabhängig wären wir nicht abgeneigt, wenn Sie unseren zeitlichen und finanziellen Aufwand in geeigneter Weise vergüten würden. Nicht jedoch den Hinweis an sich - der ist im Sinne eines menschlichen Miteinanders kostenlos.

Wir hoffen, Ihnen hat diese Geschichte gefallen und Sie ziehen die notwendigen Konsequenzen. Ausserdem erwarten wir gespannt Ihre Rückäusserung.

Mit freundlichen Grüssen


Das Ergebnis:
Ein Warengutschein im Wert von 150,-- DM - es lohnt sich also, sich zur Wehr zu setzen ;-)



   † ad noctem †
      Daywalker      28.02.1996



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