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Bist du schonmal morgens aufgewacht und hattet das Gefühl neben dir zu stehen? In der Nacht bist Du spätestens alle zwei Stunden aufgewacht, das T-Shirt jedesmal klatsch nass geschwitzt? Am Morgen, wenn die dampfende Tasse Kaffee neben deinem Bett steht und dich dein Partner mit seinen grossen Augen ansieht und dich anlächelt; der Druck in Deinem Kopf ungeheuer gross ist - so als hättest du am Abend vorher einen drauf gemacht; sich gleichzeitig dein Hirn sich so leer anfühlt, als müsstet du es erstmal füllen. Du kommst einfach nicht zu dir, kannst den (all-)täglichen Rythmus einfach nicht finden, quälst dich irgendwann aus dem Bett, steigst in die Klamotten, bist wortkarg - siehst dir irgendwie zu, wie du dich ins Auto setzt, Worte, Berührungen und Zärtlichkeiten mit deinem Partner austauscht und seine Sorgenfalten immer grösser werden, weil er keine Ahnung hat, was mit dir los ist? Weil du es ihm gar nicht mal erklären kannst, weil du selbst nicht weisst, was los ist?

Und irgendwann im Laufe des Tages verschieben sich die beiden Bilder - schieben sich aufeinander und plötzlich ist dieser Zustand wieder verschwunden; du fragst dich nicht mehr, warum du gerade das tust oder schüttelst innerlich nicht mehr den Kopf über dich selbst? Das Gefühl Geisterbahn zu fahren verschwindet endlich wieder ...

Du sitzt da und fragst Dich warum das so ist - du hattest einen ganz normalen Abend, hattest Besuch von deinem besten Freund, hast für ihn etwas erledigt, dich zwar geärgert, dass das alles so selbstverständlich ist und es hat dir nicht gefallen, dass er nachdem er hatte was er wollte gleich nochwas zu erledigen hatte, weisst aber, dass er so ist - manchmal ...

Du hast es dir dann zusammen mit deinem Partner bequem gemacht, hast eigentlich fern sehen wollen, aber ihr seid, wie so oft, ineinnader versunken, habt euch Geschichten erzählt, habt gelacht und geweint - vor Freude - dass ihr euch gefunden habt und seid später miteinander einge- schlafen - habt euch gefreut am nächsten Morgen zusammen aufzuwachen - du dich ganz besonders, weil du dich an ihren grossen Kulleraugen einfach nicht satt sehen kannst und der Morgen nicht schöner anfangen kann ...

Eigentlich hast du keine Probleme - denn du hast die Beziehung zu der Frau deiner Träume, du bist glücklich geschieden, das Geld reicht in aller Regel, mit deinem Job bist du nicht zufrieden, aber das ist schon seit sovielen Jahren so, dass du dich in gewisser Weise daran gewöhnt hast. Du hast Freunde - wirklich gute Freunde - du hast einen Sohn der dich liebt, den Du jedes Wochenende sehen kannst - eigentlich, so stellst du fest, geht es dir vielleicht viel besser, als vielen anderen - so zumindest deine Einschätzung ...

Nur ... warum passiert dir sowas? Weder aggressiv noch depressiv nur einfach nicht da - als hätte sich dein Geist über Nacht einfach ausgeklinkt, ohne einen Hinweis darauf zu hinterlassen, was denn in dieser Nacht los war - du hast keine Erinnerung an Geträumtes - du verstehst es nicht - und irgendwie macht sich die Befürchtung breit, dass du deinen Geist gerade nochmal festhalten konntest - du denkst: Wer weiss was passiert wäre, wenn du später oder vielleicht gar nicht mehr aufgewacht wärst - trotz aller Anstrengung will sich der Normalzustand nicht nach einer kurzen Zeit einstellen - das macht dir Angst ...

Wird man vielleicht so einfach verrückt?



   † ad noctem †
      Daywalker      27.08.1996



Borderliner

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