Header


Header


Diese Geschichte ist fiktiv. Jede Übereinstimmung mit Personen und/oder tatsächlichen Ereignissen ist zufällig und keineswegs beabsichtigt.

Willi hat gerade Besuch vom Bruder seiner Lebensgefährtin (im weiteren Verlauf der Geschichte Manni genannt), der sich in handwerklichen Dingen gut auskennt und gerade für einen weiteren Antennenanschluss sorgt, und plötzlich klingelt es an der Tür. Vorsichtig wie Willi nunmal ist, fragt er über die Sprechanlage: "Wer da?" Es tönt aus dem Lautsprecher: "Mayer Kripo Musterstadt - wir wollen zu Manni der sich derzeit bei ihnen aufhalten soll"! Willi weiss schon durch einen Telefonanruf von Mannis Vater vor ca. einer Stunde, dass die Kripo schon dort war, um mit Manni zu sprechen. Da es Manni sehr interessiert, was die Kripo wohl von ihm will, öffnet Willi die Tür.

Zwei Beamte in Zivil, weisen sich als Angehörige der Kripo Musterstadt aus und betreten die Wohnung. Willi bittet sie in die Küche, Manni kommt dazu und die Herren von der Kripo lassen die Katze aus dem Sack. "Manni - wo waren sie heute zwischen 12.00 Uhr und 15.00 Uhr?" wollen die Beamten wissen. "Warum?" fragt Manni und sie erfahren, dass an diesem Tag und zu dieser Zeit ein Banküberfall in einem nicht allzuweit entfernten Ort verübt wurde. Für Manni ist die Antwort zunächst kein Problem, denn er war in dieser Zeit auf dem Autofriedhof einer anderen Stadt und ist dort selbstverständlich auch vom Betreiber gesehen worden. Aber den Beamten genügt das nicht ... sie wollen nicht nur Aufschluss über diesen Wochentag, sondern für die gesamte Woche - das fällt Manni ein wenig schwer, da er arbeitslos ist und für die grosse Familie immer unterwegs ist, um verschie- dene Besorgungen zu machen. Darauf springen die Beamten an und löchern ihn zu den letzten Wochentagen.

Plötzlich fragen die Beamten nach einem Donnerstag, der mittlerweile über 6 Wochen her ist. Zu diesem Zeitpunkt soll der Wagen vor der jetzt überfallenen Bank gesehen worden sein. Ein(e) Bankangestellte(r) habe sich den Typ, die Farbe und das KFZ-Kennzeichen des Wagens aufgeschrieben, weil der Fahrer sich auffällig benommen habe. Die Beamte lassen sich das Telefon von Willi geben, um in der Hauptstelle nachzufragen, wie die Beschreibung des Fahrers lautet. Nach einer ganzen Weile, die die Beamten damit überbrücken, dass sie Manni immer wieder drängen sich zu erinnern, meldet sich die Haupt- stelle mit der Beschreibung wieder. Diese Beschreibung passt so überhaupt nicht auf Manni, dem jetzt nach dem ersten Schreck einfällt, dass ihm das Fahrzeug ja erst seit 2 Wochen gehört. Vorher gehörte es Willi, der zwar der ganzen Geschichte beigewohnt hatte, dem die Idee, warum auch immer, auch nicht kam.

Und so steht Willi nun im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Befragung startet also von vorn - Willi wird gefragt, wo er an diesem Donnerstag war und er lächelt, was die Beamten sofort mit wirschen Ton quittieren. Willi wird darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht zum lachen sei und dass die Gegenfrage von ihm, ob sich der Beamte seinerseits daran erinnern könnte, was er an diesem Tag gemacht hat, nicht zur Diskussion stehe, weil Willi Fragen beantworten, seinerseits aber keine stellen soll.

Willi gibt ordnungsgemäss an, dass er nicht wisse, wielange er an diesem Donnerstag gearbeitet habe, dass sich das aber über seinen Arbeitgeber ja jederzeit nachweisen lässt. Willi hatte nun das "Pech", dass er in der Woche des Banküberfalles krankgeschrieben war - da aber wiederum das "Glück" dass er relativ bewegungsunfähig war und zumindest die ersten Tage vom behandelnden Orthopäden Spritzen erhalten hatte, um sich überhaupt bewegen zu können. Am Tag des Banküberfalles allerdings konnte er schon wieder einigermassen gehen und macht also Angaben darüber, wann er sich wo aufgehalten hat. Zum Tatzeitpunkt allerdings war er ohne Zeugen zuhause - erst eine halbe Stunde nach der Tat hat seine Freundin mit ihm telefoniert, was nichts beweist, denn schliesslich kann sie auch mit jemandem anders in der gemeinsamen Wohnung telefoniert haben. Lediglich die Zeit des Anrufes liesse sich mit Hilfe der ISDN-Rufanlage ihres Arbeitgebers möglicherweise bestätigen. Die Kinder kamen erst 1 Stunde nach der Tat nach Hause - es wäre rein theoretisch genug Zeit gewesen. Willi ist zu diesem Zeitpunkt mulmig und er fragt nochmal nach der Beschreibung von demjenigen, der mit seinem Auto vor sechs Wochen vor der Bank gesehen worden sein soll.

Die Beschreibung passt nur sehr entfernt auf Willi - so ist er grösser als der Beschriebene und auch nicht kräftig durchtrainiert, zwar trägt er gelegentlich einen Ohrring, aber die Brille aber müsste sich derjenige der die Beschreibung geliefert hat, aber doch wenigstens erinnern können, wenn ihm schon ein Ohrring auffällt. Das bewegt zwar die Beamten zum nachdenken, aber nach ihren Angaben steht der Wagen, also Fahrzeugtyp, Farbe und KFZ-Kennzeichen sicher fest. Daran gäbe es keine Zweifel. Willi wird deshalb gefragt, ob er sein Fahrzeug verliehen hat und er gibt an, dass er sein Fahrzeug nicht verleiht - niemandem, weil er an dem Wagen hing, den er mittlerweile ja verkauft hat. Auch die Schlüssel zum Fahrzeug sind für Dritte nicht zugänglich gewesen und waren ständig verfügbar. Das Fahrzeug war im angegebenen Zeitraum auch nicht in Reparatur. Strafzettel oder Bussgeldbescheide die Willi sich nicht erklären könnte, hat er auch nicht bekommen. Die Beamten haben ebenfalls, nach ihren Aussagen, geprüft ob ein Zahlendreher oder ähnliches die Ursache dafür sein könnte - aber nichts dergleichen. Schliesslich handelt es sich bei dem Fahrzeug nicht um ein Allerweltsfahrzeug wie beispielsweise ein VW Golf, sondern um einen Wagen dessen Zulassungszahlen sehr viel niedriger liegen.

Die Beamten überlegen weiter, dass sich Willi habe die Haare schneiden können - Willi trägt sein Haar, im Gegensatz zu seinem Passbild heute nur noch unübersehbar kurz - das aber können viele Freunde und Kollegen bestätigen, dass das nicht erst seit einigen Stunden der Fall ist. Weiterhin hat Willi bei der hohen Sehschwäche sicher Kontaktlinsen - ach nicht - ach Willi verträgt sie nicht und das Warum könne seine Augenärztin sicher besser beschreiben - nun gut. Etwa 1 ½ Stunden später unterschreibt Willi das Protokoll zu dieser Befragung, die Beamten überlegen sich, dass sie eigentlich noch die Wohnung in Augenschein nehmen wollen, Willi hat dagegen nichts einzuwenden - sie lassen es aber und erklären ihm zum Abschied, dass die Kollegen ganz sicher nochmals auf ihn zukommen werden.

Und so kommt es dann auch - am nächsten Morgen kommt ein Anruf, von diesen Kollegen und Willi wird zu einer weiteren Vernehmung und zur Anfertigung von Fotos zur Vorlage bei den Tipgebern in die Hauptstelle einbestellt - allerdings erst nach dem verdienten Wochenende - was Willi wiederum etwas wundert.

Was in dieser Zeit in Willis Kopf vorgeht, kann der Erzähler nur sehr bedingt wiedergeben - klar ist, dass seine Gedanken immer nur um das eine Thema kreisen, nämlich "Wie um alles in der Welt kann sein Wagen dort gesehen worden sein, wenn er weiss, dass er dieses Städtchen in seinem Leben nur ein- oder zweimal besucht hat, weil er dort niemanden kennt, es dort keine besondere Einkaufsmöglichkeit oder dergleichen gibt?" Und: "Kenne ich jemanden, auf den die Beschreibung zutrifft?" Auf beide Fragen findet er keine Antwort - auch nicht in der NAcht von Sonntag auf Montag, in der er kein Auge zumacht - denn er macht sich Sorgen. Schliesslich weiss er aus Zeitung, Radio und Regionalfernsehen, dass es zwar mittlerweile eine Täterbeschreibung gibt, die der Beschreibung des Tipgebers (mit seinem Wagen vor der Bank) gar nicht so unähnlich ist - die seines Komplizen hingegen zeigt mit Willi selbst nicht eine einzige annähernde Übereinstimmung - aber ... die Beamten suchen mittlerweile nach einer Bande, die mindestens für vier solcher Überfälle in den letzten Monaten verantwortlich sein soll. Und laut offiziellen Aussagen gäbe es keine wirklich heisse Spur. Also denkt sich Willi immer wieder: "Das einzige was die haben bist Du" und ... "Solange Du denen nicht erklären kannst, wie das mit Deinem Wagen vor der Bank zustande kommt, bist Du die Nummer eins auf der Liste. Da hilft auch das gute Zureden von Willis Lebensgefährtin "Mach' Dir doch keine Sorgen!" nichts - in Willis Kopf kreiseln die Gedanken...

Am Montag morgen geht Willi trotz starker Beschwerden wieder arbeiten, denn Willi arbeitet in einem Büro und wenn sich die Beamten offiziell nach ihm erkundigen, wird man sich die Mäuler zerreisen und das will Willi dann doch weitgehend vermeiden. Willi bringt in Erfahrung, dass er an jenem Donnerstag von vor sechs Wochen nur kurz gearbeitet hat. Das heisst, dass er für den Nachmittag kein Alibi hat, da er an kurzen Donnerstagen immer die Wochen- einkäufe erledigt, weil schliesslich Freitag Mittag schon sein Sohn zu Besuch kommt - Willi ist nämlich seit kurzem geschieden - und er die maximale zeit mit ihm verbringen will. Nach den Einkäufen verstaut Willi dann alles immer in der gemeinsamen Wohnung und holt dann seine Lebensge- fährtin von der Arbeit ab, denn sie muss an Donnerstagen meist bis 18:00 Uhr arbeiten.

Willi verlegt an diesem Tag den Vernehmungstermin von der Mittagspause auf den Nachmittag - schliesslich könnte sowas länger daürn und im Betrieb soll solange wie möglich keiner was von dieser Geschichte erfahren. Seine Lebensgefährtin begleitet Willi zu diesem Termin.

Im Eingangsbereich der Hauptstelle wird Willi bereits erwartet. Einer der ermittelnden Beamten, die am Donnerstag der letzten Woche bereits bei ihm waren, begrüsst ihn und fragt ihn sofort, ob ihm denn nun etwas zu der Sache mit dem Wagen eingefallen sei. Ordnungsgemäss antwortet Willi mit: "Nein!" Der Beamte kramt lange nach einer Polaroid-Kamera, damit er von Willi ein Bild machen kann, das man den Tipgebern vorlegen kann. Er findet schliesslich eine und im Kühlschrank den passenden Film - er macht ein Foto und spätestens seit diesem Zeitpunkt weiss Willi um die Bedeutung des Wortes "Verbrecherfoto".

Danach werden Willi und seine Lebensgefährtin ein Stockwerk höher gebracht, wo die Herren der Dezernate residieren - eine Bürolandschaft wie jede an- dere. Seltsamerweise ist die Nervosität von Willi jetzt nicht mehr so deut- lich spürbar. Es dauert eine Weile, bis der Beamte den zuständigen Leiter der Ermittlungen gefunden hat - Willi denkt sich: "Wenn die Bevölkerung die Aufforderung der Polizei in der örtlichen Presse ernstgenommen hat und jede noch so nebensächliche Auffälligkeit meldet, dann haben die Herren hier sicher viel zu tun!" und er überlegt weiter: "Wieviele Bürger wohl dann noch Besuch bekommen und sich erinnern müssen?!"

Willi und seine Lebensgefährtin werden in ein (Vernehmungs-?) Zimmer geführt und der Beamte aus dem Eingangsbereich nimmt mit ihnen Platz. Der Leiter der Ermittlungen kommt zu ihnen und es dreht sich wieder alles um den Wagen, der mit unabänderlich genauen Angaben vor mehr als sechs Wochen vor der Bank gesehen wurde. Es werden alle schon angerissenen Möglichkeiten nochmals durchgesprochen, Willi erklärt nochmals nicht dort gewesen zu sein, seinen Wagen niemals zu verleihen, alle Schlüssel zu haben und dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an diesem Tag nach Arbeits- ende den Wocheneinkauf gemacht habe. Ein Dritter kann den Wagen zu besagter Zeit nicht gefahren haben - diese Möglichkeit wird von Willi ausgeschlossen - wie auch sollte das funktioniert haben. Mittlerweile stehen fünf Beamte im Raum, jedem der Beamten ist der Vorgang mindestens genauso unerklärlich wie Willi selbst. Willi ist mulmig zumute - er verbirgt das jedoch realtiv überzeugend (denkt zumindest er) ...

Die Beamten wechseln die Taktik - sie befragen Willi und seine Lebensgefähr- tin jetzt getrennt. Willi wird eine goldene Brücke gebaut, falls er sein Auto verliehen habe und nunmehr festgestellt habe, dass derjenige eine straf- bare Handlung damit begangen habe, so müsse das ja nicht heissen, dass Willi selbst daran beteiligt war und Willi könnte nun sein Gewissen erleichtern, wenn er die Wahrheit sagen würde. Willi betont zum wiederholten Male, dass er sein Auto nicht verleiht. Zu dieser Zeit erzählt gerade seine Lebensge- fährtin den Beamten, dass Willi sehr an seinem Auto hinge und dass sie froh sei, dass wenigstens sie es habe gelegentlich fahren dürfen. Währenddessen wird Willi gefragt, da seine Lebensgefährtin ja gerade nicht anwesend sei, ob da vielleicht eine andere Frau im Spiel sei und dass es in diesem Ort eine Gewerbe in dieser Richtung gegen Geld gäbe. Schliesslich seien solche Aspekte menschlich und würden selbstverständlich diskret behandelt werden.

Willi verneint auch diese Möglichkeit und denkt sich: "Wäre ich nur da gewesen und hätte jetzt eine Erklärung!" denn je mehr Möglichkeiten ausscheiden um so grösser die Zweifel auf der Seite der Beamten. Die Beamten machen Willi klar, dass sie seine Version der Geschichte nicht glauben können, da es die unumstössliche Tatsache gibt, dass der Wagen vor der Bank gesehen wurde. Ob Willi denn Einkaufsbelege für diesen Tag habe z.B. für ein Haushaltsbuch und Willi muss wieder verneinen. Die befragenden Beamten wechseln und Willi wird um Verständnis gebeten, dass die Geschichte, vor- sichtig formuliert, unglaubwürdig ist. Willi wird wie seine Lebensgefährtin in einem anderen Zimmer befragt, warum einer von beiden lange und der andere kurz arbeitet (beide arbeiten beim gleichen Arbeitgeber) und beide erklären übereinstimmend, dass Willi kundenunabhänig arbeitet und sich daher nicht an die Oeffnungszeiten des Betriebs halten muss. Gleichwohl macht Willi in seinem Geschäftsbereich relativ oft Schulungen, deren Arbeitszeit über die reguläre Arbeitszeit hinausgeht und Willi baut diese Überstunden dann z.B. an solchen Donnerstagen ab, um die Einkäufe zu erledigen und am Freitag mehr Zeit für seinen Sohn zu haben.

Und dann kommt Willi's Lebensgefährtin auf die Idee, die Beamten zu fragen um welche Uhrzeit an diesem Donnerstag der Wagen denn dort gesehen wurde. Im Nachhinein betrachtet, hätte Willi diese Frage schon viel früher stellen müssen, aber die Informationstaktik der ermittelnden Beamten ist geschickt geplant und in der Befragung kommt Willi nicht dazu, kühl und nüchtern über solche Umstände nachzudenken - letzlich ist er aufgeregt und er weiss, dass das Ganze einfach nicht sein kann.

Die Beamten teilen also mit, dass der Tipgeber die Zeit zu der der Wagen vor der Bank gesehen wurde 18:25 Uhr gewesen sein soll. Sofort fällt Willi und seiner Lebensgefährtin, die zu diesem Zeitpunkt wieder bei Willi ist, ein, dass das erst recht nicht sein kann. Willi hat seine Lebensgefährtin nämlich wie immer gegen 18:00 Uhr vom Betrieb abgeholt - "Nein meine Herren, wir fahren immer nur mit einem Fahrzeug, weil wir nur einen teuren Stellplatz in der Tiefgarage in der Nähe unseres Arbeitgebers gemietet haben" und über den Umweg ihrer gemeinsamen Wohnung zu einem Sportkurs zwei Ortschaften weiter gebracht, der um 19:00 Uhr beginnt. "Ja meine Herren, sowohl das Arbeitszeitende von mir und meiner Lebensgefährtin, als auch die Teilnahme an diesem Kurs kann belegt werden" und Willi fügt hinzu: "Bei Rückfragen bei unserem Arbeitgeber wollen sie bitte so diskret wie möglich vorgehen" - der Beamte lächelt und meint: "Das sind wir immer - notfalls können wir die Person auch vereidigen" - Willi hat da schon ganz andere Geschichten gehört und wahrscheinlich zuviele Krimis gesehen, als dass ihn das beruhigen würde. Und dann müssten die Beamten noch jemanden finden, der zumindest den Umstand, dass Willi seine Lebensgefährtin immer dann vom Arbeitgeber abholt, wenn sie länger arbeitet als er selbst, bezeugen kann. "Also nix mit Dis- kretion!" denkt sich Willi und überlegt bereits, wer das wohl zur Kenntnis nimmt, zumal beim Arbeitgeber ja bekannt ist, dass die Beiden zusammen sind und dieser Umstand dann an sich ja nichts Aussergewöhnliches darstellt.

Ausserdem wundern sich die Beamten, dass die räumlich getrennten Aussagen von Willi und seiner Lebensgefährtin sich so gleichen. Die beiden lächeln die Herren an und meinen: "Was sollten wir anderes sagen als die Wahrheit!" Dann wollen die Beamten wissen, warum Willi seine Lebensgefährtin, die über einen eigenen Wagen und den dazugehörenden Führerschein verfügt, immer und überall hinbringt und Willi sagt: "Wir sind noch nicht so lange zusammen und haben eine sehr innige Bezeihung!" und der Beamte vervollständig für sich "... und verbringen daher jede freie Minute miteinander... " und die beiden lächeln und nicken.

Einer der Beamten kommt nun auf die Idee, dass man die Strecke Arbeitgeber <-> Bank hätte in ca. 25 Minuten schaffen können. Willi wendet ein, dass die Herren doch wohl sehr genau wissen, dass man gegen 18:00 Uhr aus der Gross- stadt in das ca. 25 km entfernte Städtchen mehr als nur 25 Minuten braucht, was dann auch den Beamten einleuchtet. Ausserdem so Willi, sollte sich der Tipgeber dann aber auch an die hübsche Beifahrerin erinnern, wenn er sich schon nicht an Willis auffällige Augengläser erinnern kann. Auch hier können die Beamten nicht umhin als mit dem Kopf zu nicken.

Willi und seine Lebensgefährtin erhalten die Telefonnummer des zuständigen Leiters der Ermittlungen und vereinbaren, dass sie sich am nächsten Tag telefonisch mit den Beamten in Verbindung setzen und das jeweilige Arbeits- ende durchgeben. Willi wundert sich dabei, dass "Verdächtige" solche Angaben selsbt telefonisch machen können, geht aber davon aus, dass die Beamten das sicher bei seinem Arbeitgeber nachprüfen werden. Ausserdem wird sich seine Lebensgefährtin vom Sportstudio eine Bescheinigung geben lassen, dass sie an diesem Tag dort an einem Kurs teilgenommen hat.

Die Beamten machen nochmals deutlich, dass die Geschichte mehr als nur mysteriös ist und Willi bittet gleichzeitig um Verständnis, sich das auch nicht erklären zu können. Ausserdem wird er von den Beamten nochmals darauf hingeweisen, dass falls sich erweist, dass Willi gelogen habe, es ihm sehr schwer fallen würde, sich vom Verdacht der Mittäterschaft an dieser Banküberfallserie zu befreien. 1 ½ Stunden nach dem Eintreffen sind Willi und seine Lebensgefährtin "entlassen" und verlassen zunächst schweigend das Gebäude der Hauptstelle - immer an die letzten Worte der Beamten denkend: "Wir werden uns nicht zum letzten Mal gesehen haben!"

Am heutigen Tag dann hat sich die Lebensgefährtin von Willi bei der Personalabteilung erkundigt, wann sie laut Zeiterfassung an jenem Donnerstag vor sechs Wochen nach Hause gegangen ist - es war 18:02 Uhr - sie ruft beim Sportstudio an und ordert eine Kursteilnahmebescheinigung. Am Abend zuvor hat sich in einem Gespräch mit Manni noch ergeben, dass das Fahrzeug seiner Schwester ab Anfang Mai an ihn ausgeliehen war, da er sein Fahrzeug ver- äussert hatte. Diese Fakten haben die Beiden dann telefonisch an die er- mittelnden Beamten telefonisch weitergegeben, die natürlich wieder auf dem mysteriösen Auftauchen des Fahrzeugs vor der Bank herumreiten mussten. Ausserdem gaben die Beamten an, dass sie am heutigen Tag mit dem Tipgeber nochmals reden und ihm/ihr auf alle Fälle das Polaroid-Foto von Willi vorlegen werden. Danach würden sie weitersehen und sich ggfs. wieder melden. Ausserdem würden die Angaben von Willi und seiner Lebensgefährtin was Zeiten und Ort betreffen natürlich nochmals einer eingehenden Prüfung unterzogen.

Nachdem die Beamten alle möglichen Zahlendreher etc. was die Angaben zum Kennzeichen des Tipgebers betreffen geprüft haben und es nicht im entferntesten eine Möglichkeit diesbezüglich gibt, bleiben dort Zweifel. Das ist aus der Geschichte heraus normal.

Allerdings bleiben bei Willi und seiner Lebensgefährtin auch Zweifel - zwar auch mit der Geschichte das Fahrzeug betreffend - viel wichtiger aber ist ein ganz anderer Zweifel:

ģEs ist unmöglich, dass das Fahrzeug an diesem Tag zu dieser Zeit an diesem Ort war. Es ist aber eigentlich genauso unmöglich, dass der Tipgeber mit dem Finger auf das Polaroid-Foto von Willi zeigt und sagt: "Das war der Mann, der den mir aufgefallenen PKW gefahren hat!" - was aber wenn es doch so käme? Was wenn der deutliche Hinweis auf die Ungleichheit des Äusseren von Willi und der der Beschreibung des Tipgebers plötzlich nicht mehr existent ist? Was wenn es weiterhin die einzige Spur ist, die die Beamten haben?

Das wäre bitter und: Willi traut dem Rechts-Staat sowieso nicht und hat ein sehr ungutes Gefühl; er wartet im Prinzip darauf, dass genau dieser Fall jetzt dann auch noch eintritt und ihm dann, wo doch schon aufgrund der, zugegeben mysteriösen, Umstände sicher jeder Beamte denkt, dass er nicht die Wahrheit sagt, die Wahrheit nichts mehr helfen wird ...

Der Lebensgefährtin von Willi ist mittlerweile eingefallen, dass sie ja früher bei einem guten Anwalt gearbeitet hat, zu dem sie immernoch Kontakt hat - den wird sie im Laufe des Nachmittags anrufen und ihm diese Geschichte erzählen - damit er schonmal informiert ist, falls das zweite Mal unmögliche Dinge möglich werden ...

Unser Freund Willi hat sich heute erlaubt, nachdem am Freitag die Bescheinigung des Sportstudios über die Teilnahme seiner Lebensgefährtin an einem Kurs im Mai/Juni 96 eingetroffen war, mal bei den Beamten vom Verein Weiss/Grün nachzufrage, wie die Sache denn nun steht.

Nach Auskunft des Chefs der Ermittler wird diese Bescheinigung selbstverständlich gebraucht und kann natürlich auch gefaxt werden.

Das Vorlegen des Fotos von Willi an die Bankangestellte, ergab nur, was eigentlich klar sein sollte - den auf dem Foto abgebildeten Mann hatte die Bankangestellte noch nie zuvor gesehen.

Trotzdem sei der Umstand, dass das Fahrzeug im Mai dort gesehen und genau beschrieben wurde weiterhin mysteriös, denn die Bankangestellte sei, wie der freundliche Herr mitteilte, in Sachen Fahrzeugtyp nicht sehr gebildet und sei *extra* an dem Fahrzeug *vorbeigelaufen* um den Typ auch wirklich bestimmen zu können. Derjenige den sie dabei gesehen habe, soll dabei neben dem Fahrzeug gestanden haben.

Auf Willis Frage hin, ob denn nun alles erledigt sei meinte der freundliche Herr, dass man schon von Beginn an davon ausgegangen sei, dass das Fahrzeug an diesem Tag zu dieser Uhrzeit gar nicht im Besitz von Willi war, sondern der es verliehen hatte.

Was bleibt Willi übrig, als nochmals auf seine Aussage und die seiner Lebensgefährtin zu verweisen - auf all die dargelegten Punkte und auf die Tatsache, dass der Wagen von Willi benutzt wurde, weil der Bruder seiner Lebensgefährtin ja nachweislich ihren Wagen hatte. Das, so deutet der freundliche Herr an, sei zwar das was in den Aussagen stehe, aber man(n) würde das bezweifeln.

Die Täter sind bisher nicht gefasst - den Stand der Dinge teilt der freundliche Herr verständlicherweise nicht mit und Willi überlegt sich insgeheim, ob er nicht besser Buch führt, über seine künftigen Aktivitäten, denn sind die Täter frech und überfallen in einigen Wochen oder Monaten noch eine bank, kann Willi wohl mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er erneut freundlichen Besuch erhalten wird ...

Also wird er die Geschichte auch niemandem erzählen - denn noch besteht ja ausreichend Gefahr, dass wenn böse Menschen die Geschichte hören, er sich vor Zuspruch aus dem Verein Weiss/Grün gar nicht retten kann ...

Dem Fernsehen sei Dank! Dort konnte Willi nämlich einem Bericht aus dem Lokalfernsehen entnehmen, dass in einer benachbarten Stadt zwei Männer ver- haftet wurden, die zufällig den gleichen Wagen (auch farblich passend) fuhren, der sogar in Willi's Stadt zugelassen war. Aus einen der beiden Männer traf sogar die Beschreibung der Bankangestellten zu ...

Willi rief daraufhin bei den grünen Helferlein an und erfuhr: Nichts! Also wird Willi demnächst mal schriftlich um Auskunft bitten, ob seine Weste nun wieder so rein ist, wie das vor einigen Monaten noch der Fall war ... man(n) wird sehen ...



   † ad noctem †
      Daywalker      07./09.1996



Borderliner

1996 © by daywalker