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Eine fiktive Geschichte über Freundschaft und Irrtümer, die so jeden Tag (wieder) passieren werden/können ...

Erfahrungen muss jeder selber machen ...


Ziemlich am Anfang dieses Jahrzehntes hatte Willi durch sein Hobby, den Computer, damals war es noch ein ATARI, und damit verbunden durch die DFUe mit recht vielen Leuten zu tun und auch sehr viele Leute persönlich kennengelernt.

Eines Tages nun begab es sich, dass der Club, den Willi damals mitgestaltete ein Treffen abhielt, zu dem auch erstmals Wolf und Lilli kamen. Willi hatte von den Beiden bereits sehr viel Gutes gehört und bereits mit Wolf Kontakt über die DFUe. Sie hatten den Ruf zu den grossen der lokalen Szene zu gehören und um so begeisterter war Willi damals, weil der Kontakt auch zustande kam.

Willi erinnert sich gerne daran, an diesen Abend, den er als Beginn einer intensiven Freundschaft ansah - und an die einigermassen verständnislose Reaktion von Lilli, als das Thema zum Verkauf von Public Domain Disketten kam, den Willi damals für 2,-- DM je Stück abwickelte - eben mit mehr Idealismus, denn mit purem Geschäftsinteresse.

Im Laufe der folgenden, teilweise sehr ereignisreichen, Jahre entwickelte sich eine Freundschaft, wie man sie sich eigentlich nur wünschen kann. Willi unternahm mit Wolf und Lilli vieles, lernte den inneren Zirkel um Wolf und Lilli kennen - kurz sie verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Willi war insbesondere Wolf zugetan, der über immense Kenntnisse im PC-Bereich und über/in der DFUe besass - Willi bewunderte ihn. Darüber hinaus hatte Willi auch das Gefühl, dass Wolf und Lilli in gewisser Weise Nachwuchs suchten, denn Willi war ein relativ idealistischer Macher - jemand, der eigentlich zu ihnen passte.

Wenn Willi heute wehmütig an diese Zeit zurückdenkt, dann weiss er, dass er Wolf vieles zu verdanken hat - nicht nur reines Wissen um Dinge, die mit Computern im weitesten Sinne zu tun haben ...

Damals kannte Willi bereits Andy - eine Zufallsfreundschaft (ohne dies negativ zu meinen - im Gegenteil - Willi hatte Andy über eine Software-Tauschanzeige kennengelernt und sie hatten festgestellt, dass sie eigentlich in der Nähe wohnten und fortan sahen sie sich ebenfalls häufiger - eine weitere Freundschaft, die durch "Unterhaltungselektronik" begründet wurde.

Wie das üblich (?) ist, treten innerhalb der einzelnen Freundeskreise natürlich Schnittmengen auf - so lernte Andy auch Wolf und Lilli kennen. Eines Tages dann war es soweit - Wolf und Lilli hatten Willi überzeugt, einen PC als Medium mit Zukunft anzuschaffen. Ein Lächeln huscht heute noch über Willis Lippen, wenn er an die vielen Nächte und endlosen Telefonate zurückdenkt, die sich dadurch ergaben. Hardwarebasteleien, Umrüstungen, Messebesuche, neue Betriebssysteme, Abstürze und so vieles mehr, das man sich heute noch in Erinnerung rufen kann...

Durch das "Verhalten" von Schnittmengen im Freundesbereich war eines Tages auch Andy soweit, seinen ATARI gegen einen PC einzutauschen und befragte Lilli und Wolf zum Thema: "Was kaufe ich mir denn am besten?" Lilli war damals in einem Fachgeschäft für Unterhaltungselektronik tätig und sie gab ihm den gewünschten Rat. Andy allerdings hielt sich nicht an diesen Rat und kaufte nach eigenen Ueberlegungen in "ihrem" Geschäft ein. Damals eher unüblich im Gegensatz zu heute :-) gab die Festplatte sehr schnell ihren Geist auf. Da Lilli für eine grosszügige Regelung im Falle eines Falles bekannt war, kam Andy mit seiner defekten Festplatte zu Lilli in den Laden, um dort etwas, für ihn recht überraschendes, zu hören. Die defekte Festplatte sollte eingeschickt werden - Willi hatte ihm zuvor versichert, dass ein Umtausch sicher absolut kein Problem sein würde. Andy war überzeugt davon, dass diese Absage für einen Umtausch nur daraus erwachsen war, dass er sich nicht an Lillis Rat gehalten hatte und sagte damals zu Willi: "Wenn man sich nicht so verhält, wie die beiden es wünschen, hat man verloren." Andy hatte sich einen neue Festplatte gekauft und für ihn war der "Fall" damit endgültig erledigt. Andy wird heute sicher sagen: "Ich habe Dir doch vor vielen Jahren schon gesagt, was passieren wird."

Willi machte sich damals keine Gedanken darüber - er sah es als unglücklichen Einzelfall an.

Natürlich darf man an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass Willi durch Einfluss Dritter und eigenes Zutun Netz-SysOp eines bekannten deutschen Netzes wurde und dort u.a. wegen der mangelnden Begabung zur Diplomatie rausgeworfen wurde. Als CoSysOp einer anderen Lokal-Mail-Box dieses Netzes erhielt er eine Abmahnung und nach Zwangsschliessung dieser Lokal-Mail-Box hatte Willi einigermassen Schwierigkeiten, eine Lokal-Mail-Box zu finden, die ihm einen Account zur Verfügung stellte. Auch als WizOp in CompuServe war seine unbequeme Art dazu angetan, ihn recht früh von diesem "Amt" wieder zu entbinden. Damit nicht genug - als lokaler SysOp der Clubmailbox, des damals grössten deutschen ATARI-Clubs (ausschliesslich ATARI), den Willi eigenverantwortlich leitete, hielt es sich nur zwei Jahre, bis ihn der Eigner der Lokal-Mail-Box in einigen wüsten Szenen einfach an die frische Luft setzte.

Aus Verbundenheit zu Willi und darüber hinaus sicher aus Anerkennung seines Engagementes in Sachen ATARI, Computer und Club boten ihm Wolf und Lilli eines Tages den "Job" des mitspracheberechtigten SysOps in einer grossen lokalen Mailbox an, die einen ganz hervorragenden Ruf hatte in der DFUe-Szene. Willi nahm dieses Angebot *stolz* an - damit hätte er zu dieser Zeit absolut nicht gerechnet - nicht einmal im Traum.

Innerhalb der nächsten Zeitspanne stellte Willi wiederholt fest, dass das Attribut "mitspracheberechtigt" nicht das war, was Willi sich darunter vorgestellt hatte - über Entscheidungen wurde informiert, nicht immer diskutiert. Willi zog daraus die für ihn angenehme Konsequenz, sich weder mit Technik noch mit Politik beschäftigen zu müssen und verlieh sich selbst den Titel "UnterhaltungsSysOp" den er, entgegen der Annahme Einzelner, gerne führte. Willi war zufrieden und beschloss seine alten Tage als UnterhaltungsSysOp dieser Lokal-Mail-Box zu verbringen. Aber ... es sollte alles ganz anders kommen ...

Zwei Tage nach Weihnachten des Jahres 1994 teile Willis Frau mit, dass die gemeinsame Ehe unwiderruflich gescheitert war. Der Grund dafür liess sich in der Person eines Freundes (Caddy) von Willi finden, der zum grossen Kreis der sich regelmässig treffenden Computerfreaks gehörte. Caddy spaltete sich aufgrund der Geschehnisse und natürlich auch aus der Ablehnung von Willis Ex- Frau dem Hobby Computer gegenüber vom Rest der damaligen Clique ab. Wolf und Lilli bezogen damals Position für Willi - schliesslich war nicht ganz auber, was gelaufen war - das ist aber sicherlich eine Geschichte, die irgendwann einmal erzählt werden wird ...

Willi ertrank in den ersten Monaten im Schmerz, in Selbstmitleid und in legalen und illegalen Drogen. In dieser Zeit gab es für Willi kaum ein anderes Thema - immer wieder neu iniitiert durch die Besuchstage seines Sohnes und aus der Natur der Sache heraus unterhielt sich Willi auch so gut wie über nichts anders - in Gesprächen und in Mails mit seinen Freunden - so auch Wolf und Lilli.

Da Willi eine bestimmte Veranlagung in seinen Genen [© by sirius] besitzt, verstarb sein Fernseher am ersten Abend in der neuen Wohnung. Als Willi Lilli im Laden besuchte, überraschte diese ihn mit den Worten: "Hier ist Dein neuer Fernseher - der wird in der nächsten Zeit sicher Dein bester Freund werden." Willi war damals total weg - und er wird die Szene ebim Einladen in sein Auto mit absoluter Sicherheit nie vergessen - Lillis verschmitztes Lächeln, das er so an ihr "liebte" - ebenso wie ihre überlegen anmutende Gedankenwelt und ihre Sicht der Dinge. Sie hatten viele Abende miteinander verbracht und geredet - angenehme Gefühle ...

Einige Monate nach der Trennung von seiner Ex-Frau erhielt Willi eine Mail von Wolf, der ihm mitteilte, dass es der Trauer genug sei und dass er sich, zu Willis Bestem, künftig nicht mehr mit Willi über dieses Thema unterhalten würde. Willi war geschockt und hat diese Reaktion bis heute nicht verstanden.

Fortan gab es einen Riss in dieser Beziehung - klein und fein - aber es war nicht mehr dasselbe. Etwa zur gleichen Zeit lernte Willi die Liebe seines Lebens kennen - halt falsch - Willi kannte sie ja bereits viele Jahre ... Sie taten sich zusammen, verinnerlichten sich und bald waren die Beiden unzertrennlich - eine Einheit - und das sind sie heute mehr denn je ...

Aus der Natur der Sache heraus, verbrachte Willi seine Zeit fortan anders als zuvor - er hatte weniger Zeit für seine Freunde, wobei er der Meinung ist und war, dass das in einer Freundschaft kein Problem darstellt, wobei er auf entsprechende Erfahrungen durchaus zurückgreifen konnte. Aber er hatte sich getäuscht ...

Zunächst bemerkte Willi bei gemeinsamen Treffen ein wenig mehr Kühle, die sich breitmachte - Willis Engel bezog das zunächst direkt auf sich - vielleicht nicht ganz falsch - das liess sich aber nie abschliessend klären. Aber etwas anderes bemerkte Willi - es war nicht mehr dasselbe - Willi hatte damals bereits das direkte Gefühl, dass er nicht mehr (dazu) passte - nicht nur, weil Willis Interessen sich vom PC mangels Masse, Unterhaltsforderungen sind in Germoney nicht unerheblich, entfernten, sondern weil er nicht mehr zum engeren "Zirkel" um Wolf und Lilli passte.

Dieser "Zirkel" bestand/besteht aus mehreren Leute, von denen Willi, um sie mit wenigen Worten zu charakterisieren als Einzelgänger bezeichnen würde. Nicht im typischen Sinne des Wortes - vielleicht würde es auch elitärer Kreis für den Leser besser beschreiben. Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Wolf hatte zum Geburtstagsessen geladen - die Verinnerlichung "seiner" Lokal-Mail-Box führte an diesem Abend soweit, dass Wolf von nichts anderem mehr reden konnte und Lilli, die ihn irgendwann einmal fragte, ob es denn für ihn an seinem Geburtstag kein anderes Gesprächsthema geben würde, kassierte einen sehr unfreundlichen "Anschiss". Fertig ...

Selbstverständlich darf man nicht verschweigen, dass Willi aufgrund seiner direkten, ehrlichen Art nicht gerade ein einfacher Mensch ist. Im Gegenteil - Willi erkennt Autorität nur an, wenn er muss, geht keiner Diskussion um "des lieben Friedens" willen aus dem Weg und vergreift sich aufgrund seiner Impulsivität auch schonmal im Ton. Und so ist es in einigen Fällen vorgekommen, dass Willi sich auch als SysOp im Ton vergriffen hat. Nicht in allen "Fällen" hat sich Willi dann auch entschuldigt - sondern nur in den "Fällen" die einsichtig waren. Aber es liefen da auch ganz andere Dinge, wie ein weiteres Beispiel eindrücklich schildern soll:

Die betreffende Mailbox verfügte zu dieser Zeit über drei Ports und wurde mit zwei 33K6 Modems ausgerüstet. Diese Modems wurden von Wolf auf Port 2 & 3 installiert. Damals wurde von den Zyxel- Usern eingewandt, dass das Zyxel auf Port 1 - viele DFUeler haben nunmal den Port 1 als erstes in der Anwahl stehen - ungünstig sei, da Zyxel-User nur eine sehr kleine Chance haben würden, einen echten Zyxel-Connect (etwas schnellere Leitungsgeschwindigkeit) zu bekommen. Die Diskussion war lebhaft und Willi als Zyxel-User darin sehr involviert. Da sich "Widerstand" formierte und die Beteiligten sich nicht unbedingt von den Statistiken, die Wolf in seine, bekannt umfangreichen, Replys einbaute, beeindrucken liessen, traf es sich gut, dass ein Treffen der Mailbox anstand. Bei dieser Gelegenheit erhielt Willi damals einige Monate im Voraus sein alljährliches Geburtstagsgeschenk von Wolf, Lilli und den anderen des "Zirkels" - ein 33K6-Modem. Willi ist noch heute der Meinung, dass er das damals nur erhalten hat, damit er als an der laufenden Diskusion beteiligter SysOp Ruhe geben würde ...

Damit einher ging allerdings auch eine zunehmende Kritik an der "Arbeit" die Willi für die Lokal-Mail-Box verrichtete. Diese Kritik wurde nach dem Verständnis von Wolf und Lilli zuerst als Hinweis, dann als "Schuss vor den Bug" deklariert und als Willi sich partout nicht zurückhalten wollte, endete das Ganze dann in offener Anfeindung - dazu später mehr. Bereits im Oktober 1996 sagte Willi zu seinem Engel, dass er das Gefühl habe, dass Wolf und Lilli ihn loswerden wollten - er passte eben nicht mehr zum Zirkel. Nach einer nichtöffentlichen Auseinandersetzung über Sinn und Zweck von Routing und der Masse, die Willi nach seinem Urlaub, er hatte die Netzbretter nicht abbestellt, waren die "Fronten" soweit klar - man liess Willi nur die Möglichkeit Wolf und Lillis Meinung zu akzeptieren - die beiden waren nicht wirklich bereit dazu mit Willi zu reden - wie damals zu besseren Zeiten.

Es war der Vorwurf zu hören, Willi würde Ausreden benutzen, um zu gemeinsamen Treffen des "Zirkels" nicht mehr erscheinen zu müssen - vor allem Wolf und Lilli stellten in Abrede, dass die Begründungen von Willi aufrecht se, wenn er behauptete, dass der Sohn seines Engels (13) nicht ohne Babysitter alleine zuhause bleiben wollte/konnte und dass dieser sich deshalb bereits mehrfach in psychologischer Betreuung befunden hatte. Dies sei sicher nicht so, hiess es da lapidar - aber auch vollkommen zu recht, denn schliesslich hatten Wolf und Lilli selbst keine Kinder ... Eines von vielen Beispielen, in denen eigene Eindrücke und Gedanken als Tatsachen für das Handeln anderer benannt wurden. Das Klima wurde kälter ...

Fortan war Willi klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis das Ganze zu Ende gehen würde. Allerdings hatte Willi erwartet, dass man sich an einen Tisch setzen würde, um zu reden - aber es sollte ganz anders kommen. Weniger subtil, dafür um so härter und verletzender...

Und der Tag kam - ein lapidarerer Grund als angenommen gab den Ausschlag - Willi beschwerte sich darüber, dass ein Termin zu einem Usertreffen nicht mit ihm, dem SysOp, abgestimmt wurde - ein Wort ergab das andere, als hätte man sich schon mit Sehnsucht den Tag herbeigewünscht, an dem Willi Anlass zur erneuten und vorerst letzen Beschwerde über ihn Anlass geben würde. So kam was kommen musste - aus dieser Sache heraus entbrannte ein heftiger "Krieg", in dessen Verlauf jede Seite verletzt wurde und selbst verletzte. Auf jeden Fall ein sehr willkommener Anlass für Wolf und Lilli den unpassend gewordenen Willi endlich Schach/Matt zu setzen.

Gesagt getan - Willi erhielt eine Mail, dass man in wenigen Tagen über ihn, den Freund (?) beraten würde - Willi entgegnete, dass er an einer schnellen Meinungsfindung interessiert sei und erhielt, am nächsten Tag bereits, die, daran besteht für Willi bis heute kein Zweifel, vorgefasste und sehr nüchterne Entscheidung, dass er zwangspensioniert werden würde. In der kurzen Begründung ging Wolf darauf ein, dass Willi untragbar geworden sei, weil er sich enorme Verfehlungen geleistet hätte, die nach dem dafürhalten von Wolf und Lilli (angeblich waren bei dieser Entscheidung sogar die beiden inaktiven SysOps dieser Lokal- Mail-Box beteiligt) enorm schädlich für das Ansehen dieser Lokal- Mail-Box waren. Sogar User sollen wegen Willi die Lokal-Mail-Box verlassen haben. Desweiteren habe sich Willi unerlaubt weit von seinen Freunden (?) entfernt und damit signalisiert, dass er nicht mehr dazu gehören wolle. Fertig ...

Kein Wort darüber, was in den vergangenen Monaten ansonsten vorgefallen war - eine müde Anerkennung der Leistung, die Willi über Jahre dafür erbracht hatte - warum auch - es war ja vorbei.

Willi hat das im Mark getroffen - weniger seine Zwangspensionierung - die selbstverständlich auch - mehr aber das Verhalten seiner Freunde (?) und die Art und Weise, auf die dies geschehen ist, zumal sie vorher absehbar war. Kein persönliches Gespräch - war nicht nötig, da Willi sich ja oft genug unter fadenscheinigen Begründungen von wegen Babysitter etc. vor persönlichen Gesprächen gedrückt hatte - so Wolf später dazu ...

Der öffentliche "Krieg" zog sich solange hin, bis Wolf und Lilli endlich eine öffentliche Stellungnahme zu dem Vorfall abgaben, und Willi damit, die ihm wichtige Gelegenheit gegeben wurde, die tatsächlichen Gründe von Wolf und Lilli herauszustellen, damit der Eindruck, den beide so gerne in der Oeffentlichkeit von Willi gezeichnet hätten, wenigstens ins rechte Licht gerückt werden konnte. Als Lilli dann noch öffentlich mitteilte, dass sie diejenige gewesen sei, die als treibende Kraft für Willis Pensionierung gesorgt hatte, wurde Willi das Ausmass der Täuschung erst bewusst ... Diese beiden hätte Willi vor nicht allzulanger Zeit als sehr gute Freunde bezeichnet - wie konnte er sich derart täuschen? Nach langen Ueberlegungen entzog Willi den beiden das Attribut Freunde und nannte sie fortan nur noch "vermeintliche Freunde" - was Wolf und Lilli ihm sehr übel genommen haben - denn daraufhin versuchten die beiden Willi mit Aufrechnung während der Freundschaft und wüsten Pöbeleien vom Gegenteil zu überzeugen bzw. ihn öffentlich so aussehen zu lassen, als ob diese Freunschaft jahrelang nur einseitig funktioniert hätte und Willi immer nur genommen habe. Dass solche Argumente nicht überzeugend sein können, weil sie nicht zum eigentlichen Thema passen, sei nur am Rande erwähnt - dass sie aber Willis Ueberzeugung es mit "vermeintlichen Freunden" zu tun gehabt zu haben, versteht sich eigentlich von selbst.

Völlig unvermittelt/unerwartet betrat der SysOp einer kleinen Mail-Box mit Netzanschluss, die als PointServer im Verbund mit Wolf und Lillis Lokal-Mail-Box fungiert, die Szene und holte sich Willi als SysOp in seine Mailbox, um sein, aufgrund starker beruflicher Beanspruchung, gesunkenes Engagement für die Mail-Box ein wenig "auszugleichen" - die beiden kennen sich eine ganze Weile und haben eine Art "besonderer" Verbindung ... Ob Wolf und Lilli das nun gut fanden oder ob sie sich fürchterlich darüber geärgert haben, dass Willi sofort wieder Boden unter den Füssen hatte, obwohl man ihn einer Sache "beraubt" hatte, die ihm mehr als einfach nur am Herzen lag, lassen wir dahingestellt ...

Willi muss hier natürlich einräumen, dass ihm diese "Berufung" sehr gut getan hat - nach der öffentlichen Auseinadersetzung, die darin gipfelte, dass Willis Freunden jegliche Eigenüberlegung abgesprochen wurde und so vieles mehr, das an dieser Stelle der Fantasie des Lesers überlassen bleiben soll ...

Wolf und Lillis Lokal-Mail-Box litt nach dieser Fehde an Desinteresse und abfallendem Mailaufkommen - nicht gerade positiv für eine Lokal-Mail-Box - aber die Beteiligten gingen sich zunächst weitgehend aus dem Weg und es ereignete sich, mit Ausnahme einiger kleiner Kabbeleien, nichts wirklich weltbewegendes. Bis eines Tages, nachdem bereits einige andere User das Problem "Wenig Mailaufkommen/wenig Aktivität" öffentlich angesprochen hatten, der Entschluss von Willi deutlich wurde, sich mit seiner Aktivität aus dieser Lokal-Mail-Box zurückzuziehen. Dies hat Willi dann auch, wie es seiner Art entspricht, in einer öffentlichen Mail verkündet. Eigentlich war diese Mail als Information gedacht, denn Willi hat durch seine Art und sein Engagement in vergangenen Tagen natürlich einige/viele Freunde in der Lokal-Mail-Box gefunden, sie wurde jedoch als erneute "Kriegserklärung" aufgefasst und behandelt. Sofort, als hätte man wiederum darauf gewartet, wurde Willi angepöbelt, diffamiert plus all das, was unsere Gesellschaft für einen kleinen "Vernichtungskrieg" so in peto hat ... Irgendwer orakelte sogar in einer privaten Mitteilung, dass die Möglichekit bestehen würde, dass Willi aus der Lokal-Mail-Box ausgeschlossen werden und darüber hinaus der Verbund der Lokal-Mail-Box mit der Mail- Box, deren Mit-SysOp Willi ja nun geworden war, aufgelöst werden könnte.

Auf seine Reklamation hin, dass er öffentlich von Wolf und Lilli angepöbelt wurde, und dass es sich dabei um exakt das Verhalten handeln würde, das man ihm zur Last und das man als Anlass genommen hatte, ihn rauszuwerfen, erhielt Willi die lapidare Antwort, dass es ein probates Mittel für Leute wie Willi sei. Schliesslich könne man sich von ihm nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Darüber hat Willi lange nachgedacht - ein Abstrafen anderer wegen ihm wollte er eigentlich nicht riskieren - schliesslich betraf all das nur ihn und das Gespann Wolf und Lilli.

Während Willi darüber nachdachte und selbstverständlich weiterhin öffentlich auf die ganzen Meinungen antwortete :-) (übriges mit Spass und nicht mehr mit zitternden Händen, wie zu der Zeit als es um seine Zwangs-Pensionierung ging) zogen Wolf und Lilli das letzte aller Register - sie teilten öffentlich mit, dass die Möglichkeit bestehen würde, die Lokal-Mail-Box zu schliessen. Neben allgemeinem Lamentieren über die Situation und der Suche nach Schulterklopfen, liess man keinen Zweifel daran, dass man Willi und Teilen seines Fanclubs (wie ein Beteiligter das mal unzutreffend formuliert hatte) dafür die Schuld geben würde. Wolf und Lilli forderten alle auf, sich zum Thema zu äussern - das könnte ja heiter werden dachte sich Willi und er sah bereits persönliche Nachrichten mit dem Inhalt: "... verzieh Dich endlich ..." (harmlos formuliert) vor sich, die bis zum heutigen Tage allerdings ausgeblieben sind. Statt dessen zogen es einige vor, öffentlich zu bekunden, dass man unbedingt die harte Linie fahren sollte, um unbequemen Aeusserungen endlich den Garaus zu machen. Oder man schrieb Willi zu, eine gefährliche Person zu sein, gegen die man unter allen Umständen etwas unternehmen müsste, da sie mit ihren charismatischen Führungsqualitäten ganze Mailbox- Gemeinden blenden, beeinflussen und ins Verderben schicken könnte. Willis Engel hat an dem Nachmittag, an dem Willi eine Vielzahl solcher Mails gelesen, kommentiert und vor allem laut darüber gelacht hat, oft bei Willi reingeschaut, um zu erfahren, was so lustig sei - sie hat dann herzlich mitgelacht ...

Das letzte Kapitel der Geschichte ist wohl erst in der Entstehung, denn Willi der seinen Mund nicht halten kann, überhaupt dann, wenn die Anzahl derer, die ihn verteufeln, ihm unterstellen, ihn belügen oder diffamieren, nur um ihn endlich loszuwerden, weil unbequeme Leute nunmal das tägliche Einerlei stören, immer grösser wird, hält nichts davon, um des lieben Willens zu schweigen - zumal er zusätzlich der Ansicht ist, dass einzig erreicht werden soll, ihn aus der Lokal-Mail-Box zu verjagen, damit sein Rückzug als Freiwilligkeit verkauft werden kann.

Nie in seinem Leben hat sich Willi in der Einschätzung von Menschen, die er zu seinen Freunden rechnete so geirrt - der Schmerz darüber sitzt tief und egal was er tut - es wird falsch sein - zieht er sich zurück, wird man ihn darüber informieren, dass er wohl wiedermal keine Argumente mehr hätte - tut er es nicht, ist er an all dem Unglück schuld, das irgendwem und der Lokal-Mail-Box mit einstigem Kult-Charakter zustossen wird ...



   † ad noctem †
      Daywalker      18.11.1997



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