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Die Geschichte ist nicht leicht erzählt - denn sie birgt Schmerz und Enttäuschung in vielfacher Hinsicht.

Willi und sein Engel hatten vor einigen Tagen ihren Freund Steve gefragt, ob er ihnen am Samstag helfen würde, die neuen Möbel für das Jugendzimmer vom 3. Stockwerk ins Erdgeschoss zu bringen. Steve sagt, nachdem er seine Termine geprüft hat, zu.

Gerade einige Zeit vorher hatte Willi eine Diskussion mit Steve zum Thema Verlässlichkeit - Zuverlässigkeit - Freundschaft geführt. Warum? Nun - Steve steht bei vielen in dem Ruf unzuverlässig zu sein. Die Diskussion lief mit der Bemerkung von Steve:

Empfänger : willi@hosenjodler.de
Betreff : Früh am Morgen ...
Absender : steve@hosenjodler.de

[...]
Ein Freund ist dann zur Stelle, wenn man ihn braucht. Das nennt man Freunde, gute Freunde. Und wenn Du rufst, dann komm' ich auch gerne.
[...]

Der Begriff Freundschaft ist zwischen Steve und Willi definiert - nicht nur mit diesem Originalzitat - nein - mit vielen anderen Gesprächen. Zuletzt deshalb, weil Steve ihn einfach versetzt hatte , ohne Bescheid zu geben und Willi seine Termine verlegt hatte, um für ihn und das Erlebnis, im Strassencafé zu sitzen und alle Viere von sich zu strecken, Zeit zu haben. Er hatte einfach verpennt ...

Es ist also Samstag Morgen - gegen 10:00 Uhr sollte Steve am Bahnhof ankommen - 09.15 Uhr als Willi eine SMS (Handydienst zum Versenden von Kurznachrichten) an Steve mit der Frage "Schon unterwegs?" schickt. Die Nachricht wird auf das Handy übertragen - nichts passiert. "Das ist kein gutes Zeichen" denkt sich Willi und gibt sich locker ...

Kurz nach 10:00 Uhr ergibt sich folgender kurzer Dialog:

"Die Möbel wollt ihr alleine runterschaffen?"
"Nein - mein Freund Steve kommt noch um zu helfen."

Um 10:20 Uhr dann ruft Willi Steve an - 4 mal klingelt es, dann pfeift das Fax - das wars. Lange Gesichter - Worte wie "das habe ich mir gleich gedacht" brücken die Zeit bis zum nächsten unweigerlichen Dialog:

"Wir sollten anfangen - wo ist Dein Freund?"
"Der kommt wohl doch nicht"
"Na wenn ich solche Freunde hätte ..."

Willi und sein Engel schaffen also die Möbel unter aktiver Beteiligung eines weiteren Familienmitgliedes (Gott sei Dank!) aus dem 3. Stock ins Erdgeschoss. Knapp 2 Stunden später stehen alle Möbel - Fall erledigt.

Nein - ist er nicht - nichts ist erledigt - zwischenzeitlich hat Willi eine Kurznachricht von Steve mit folgendem Inhalt erhalten:

"Wieder mal verpennt"

Willi ist enttäuscht - aber nicht weil sowieso jeder gesagt hat, dass Steve unzuverlässig ist oder andere über Willi`s Freunde lästern - nein - auch nicht weil Willi und sein Engel dann alleine und zunächst ohne die erforderliche Hilfe dagesessen haben, sondern vielmehr weil Steve sein eigenes, freiwillig abgegebenes, Versprechen nicht gehalten hat.

Da hilft es Willi nicht, dass diese Geschichte jeden Tag x-mal so oder so ähnlich passiert.

Die Enttäuschung schmerzt - es gibt sowieso viel zu Wenige, denen Freundschaft etwas bedeutet - wieder einer weniger denkt Willi - zumindest wieder einer weniger auf den man sich verlassen kann ...



   † ad noctem †
      Daywalker      27.06.1999



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