Header


Header

Veröffentlicht 2006 in der Anthology: Seelenfarben


Keiner hätte noch daran geglaubt - aber - heute ist es sonnig und superwarm - Sonnenbrille unbedingt erforderlich

Das Leben scheint ein Stück weit gemütlicher als an wolkenverhangenen Tagen. Hier im Strassencafé, am Rande der Fussgängerzone einer kleinen Stadt ist es sogar fast still. Niemand sieht mich fragend an, wenn ich minutenlang einfach vor mich hin sehe, als wäre da etwas, das meine unbedingte Aufmerksamkeit erregt.

(Haus-)Frauen unterhalten sich ziemlich laut mit dem entsprechenden Abstand - eben wie in jeder kleinen Stadt. Fahrräder mit gefülltem Einkaufskorb lassen spontan auf ein futes Essen heute Abend schliessen. Ach ja ... meine Kochkünste wollte ich ja auch ein wenig auffrischen ...

Mutter und Tochter haben sich zum Einkaufsbummel getroffen - sieht aber mehr nach Verpflichtung denn nach Freude aus. Doch schwieriger als gedacht ist es, wieder mit der Hand zu schreiben. Unvorstellbar, dass hier dieses Idyll herrscht, während woanders Bomben im Namen der Gerechtigkeit geworfen werden - wie schön ist Kinderlachen - aber auch Kindermode passt sich an - Mützen für Kleinkinder sehen jetzt auch nach Baseball-Cap aus - aber Tauben jagen macht trotzdem immer noch Spass!

Teenager kauen schon mal Fingernägel - trotz ich-war-echt-teuer-Outfit - wenn sie alleine sind. Kaum zu glauben, wie schnell - für einen Moment lang - Stress zum Fremdwort werden kann - plötzlich will man nicht mehr der Erste sein; ein paar Minuten auf dem Fahrweg sparen; sich darüber ärgern, dass man(n) im Supermarkt zielsicher die falsche, langsamere Schlange vor der Kasse gewählt hat. Grosszügig lässt man im Strassenverkehr einfädeln, wo man sonst noch eben mal schnell Gas gegeben hat und auf dem Parkplatz fährt man(n) gleich nach hinten, statt unbedingt in der Nähe des Parkscheinautomaten einen freien Platz finden zu wollen. Fast unbemerkt wird man(n) ruhiger ...

Wortfetzen: "Erst müssen wir zum Bäcker und dann zum Metzger und dann kriegst Du ein Eis" sagt eine Mutter zu ihrem Kleinen " ... sonst machen due zu!" Hm ... seit wann schliessen Geschäfte wohl um halb vier Uhr Nachmittags? Die Gesprächsfetzen verlieren sich in der Geräuschkulisse der nahen Strasse und im kreischenden Lärm des Espressoautomaten im Inneren des Cafés.

Die Turmuhr schlägt - es wird langsam Zeit - nach Hause - schön wenn man eines hat - in ihre grossen wachen Kulleraugen sehen die sagen: "Schön dass es Dich gibt!".



   † ad noctem †
      Daywalker      12.10.2001



Borderliner

2001 © by daywalker