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"Man(n) gönnt sich ja sonst nichts" könnte der Titel auch lauten, denn im wahrsten Sinne des Wortes wird bei den Lebensmitel-Discountern etwas (an-)geboten - Unterhaltung pur nämlich ...

Der Monatseinkauf stand an - also früh am Morgen raus in die herbstliche Kälte - die ersten Sonnenstrahlen brachen durch den Nebel - bewaffnet mit Einkaufskörben aus formschönem bunten Plastik und jeder Menge Jute-Taschen - die Sonderangebote und die Einkaufsliste still vor sich hin betend, trollt sich Willi Richtung Auto ...

Beim Discounter 1 gibt es sogenannte 5er-Packs - also 5 Marken-Artikel für 5 Euro - coole Sache - schliesslich ist das Budget ja durchaus begrenzt. Wohl wegen des Umbaus ist da noch nicht viel los - allerdings muss mensch einige der Sonderangebote dann doch intensiv suchen ... An der Frischetheke hat sich eine Menschentraube gebildet - also mal nachsehen, was es da wohl Attraktives gibt! Ein älterer Mann rechnet gerade den Anwesenden vor, dass die Butter im Einzelkauf doch tatsächlich 2 Cent billiger ist als im 5er Pack - der Rest ist ungläubig und auch Willi rechnet kurz nach - stimmt - ist wirklich billiger so. Knäckebrot der Firma "Smörebröd" ist auch im Angebot - aber das Gewünschte liegt nicht im Angebotskorb, sondern steht für 1,19 Euro im regulären Regal. Alles im Wagen - ab Richtung Kasse - whow - keine Schlange - die warten nur auf Willi! Auf die Merkliste (ja ältere Menschen machen sich eine Merkliste): "Früher einkaufen gehen!" Während die Butter zum Vorteilspreis gescannt wird, soll das Knäckebrot den vollen Preis kosten - ein Hinweis auf das Angebotsprospekt bringt aber nur die Auskunft, dass nicht alle Sorten der Firma "Smörebröd" im Angebot seien. "Fein" erklärt Willi "aber das muss auch so im Prospekt stehen." Es bedarf allerdings des Hinweises, dass Willi das nicht zahlen wird, ohne dass er den Marktleiter dazu gesprochen hat, um die Dame an der Kasse zu überzeugen, dass Angebote nicht variabel sind.

Nachdem Willi durch die Kasse und durch den Ausgang ist, stellt er fest, dass um "seinen" Parkplatz rote Absperrbanderolen gewickelt sind. Ein aufgeregter Arbeiter kommt auf ihn zu und teilt ihm mit, dass es ja wohl nicht sein könne, dass Willi auf einem gesperrten Platz parkt. Anhand der Höhe von ca. 80 Zentimeter in der die Baderolen gespannt sind, macht Willi ohne grosse Überlegung klar, dass diese wohl nachträglich angebracht wurden - ein stechendes Argument! Willi bittet den Arbeiter freundlich, diese Absperrung doch zu beseitigen, damit er wegfahren kann. Dieser sieht das erklärtermassen nicht als seine Aufgabe an und so durchbricht Willi beim Ausparken die Banderole einfach mit dem Wagen, was zu einem cholerischen Anfall des Arbeiters führt. Willi steckt sich derweil eine Zigarette an und legt den 2. Gang ein ...

"Oh ha ... das Benzin ist hier ja deutlich billiger" denkt sich Willi und steuert die Tanksäule an - überfällig war das Tanken eh ... Nachdem Willi die Rechnung beglichen hat geht er in Richtung Auto. Direkt hinter ihm steht ein BMW - alle anderen Zapfsäulen sind frei - seltsam dass der BMW das noch nicht ausgenutzt hat ... Willi lässt den Wagen an und da man schon von der Position des BMWs aus sehen kann, dass vorn der Platz nicht reicht, legt Willi den Rückwärtsgang ein. Der Fahrer des BMW reagiert - aber nicht etwa damit, dass er ebenfalls zurückfährt - nein - er hupt. Willi gestikuliert aber das hilft nicht - der BMW bewegt sich keinen Meter. Willi steigt aus und der Fahrer des BMW teilt in Mundart mit, dass Willi wohl nicht in der Lage sei, seinen grossen Wagen (?) auch zu lenken. Willi bittet den Fahrer des BMW freundlich seinen Hintern mal nach draussen zu wuchten, damit er ihm darlegen kann, wie Willi durch den 50 Zentimeter breiten Korridor zwischen Zapfsäule und Wand fahren sollte. "Zu blöd zum autofahren" hört Willi noch, während der freundliche Herr seine Scheibe wieder nach oben summen lässt. Er lässt tatsächlich seinen Wagen an und fährt mindestens 1 Meter zurück - es kann auch weniger gewesen sein. Willi setzt seinen Wagen mit Wucht zurück und zwischen den Stossstangen hätte wohl keine Tageszeitung mehr gepasst - der Fahrer des BMWs steigt jetzt aus und schreit was das Zeug hält. Der Tankwart kommt dazu und fordert den freundlichen Herrn auf, umgehend in seinen BMW zu steigen und Platz zu machen - ansonsten rufe er jetzt sofort die Polizei. Der BMW entfernt sich mit quietschenden Reifen, "Aberwitzige Situation" denkt sich Willi als er dem Tankwart zuwinkt und sich auf den Weg zu Discounter 2 begibt.

Dafür dass so viele Autos auf den Parkplätzen stehen, kommt Willi gut durch - oh ... die haben auf keine Pfifferlinge ... nun ja ... tausche Euro gegen Einkaufswagen - leider nur ein Plastikchip mein Herr - es soll ja Leute geben, die das für sich behalten und damit für Überraschung sorgen, wenn der Wagen eingesteckt wird ... An der Kasse geht es schnell - das schnell auf das Band und wieder in den Wagen damit stresst Willi ein wenig - dass es dann aber Menschen gib, die es aufregt, dass Willi erst alle Waren in den Wagen räumt, bevor er anfängt mit dem Geld zu hantieren ist neu ... wieder was dazu gelernt ...

Es wird jetzt voller - bei Discounter 3 ist ordentlich was los - nachdem Willi von einer jungen Frau angefahren wurde, weil er seine Aufbackbrötchen irrtümlich in ihren Wagen gelegt hat und dann damit weiter wollte, kommt ihm eine ganz hervorragende Idee - Alltagsterrorismus - erst neulich hatte er dazu eine nette Diskussion mit k und zwischenzeitlich einige neue Ideen geboren. Willi drückt sich also ein wenig herum und als die junge Frau den Wagen unbeaufsichtig lässt, entfernt Willi die beiden Butterpackungen und legt sie zurück ins Kühlregal. Er reiht sich später in der Schalnge hinter der jungen Frau ein, um sicher zu gehen, dass sie den "Verlust" nicht bemerkt ... Ja genau lieber Leser - das ist echt fies - aber wegen eines Versehens angeschnautzt zu werden ist keinen Deut besser ...

Willi überlegt, ob eine Cafépause jetzt nicht genau das Richtige wäre - aber nein - erst die Arbeit - dann das Vergnügen und so steuert Willi Discounter 4 an - und da ging es dann erst richtig zur Sache ...

Discounter 4 hatte nämlich u.a. eine grosse Sonderaktion - Computer & Zubehör zum einem niedrigen Preis - und Willi war ja auch deshalb da - die ganze Familie brauchte etwas aus dieser Sonderaktion. Die Sachen waren schnell gefunden und als Willi um die Regalecke bog, begann da bereits die Schlange - Willi war die Nummer 8. Es dauerte nicht lange, bis sich herausstellte, dass nur eine Kasse besetzt war und dass ganz vorne eine Dame stand, die nicht so recht einsehen wollte, dass auf den grossen Schildern im Eingangsbereich und Kasse stand: "Keine Zahlung mit ec-Karte möglich" Das echte Verhängnis dabei war allerdings, dass die Kassiererin wohl ihren ersten Arbeitstag hatte und nicht wusste, wie der Betrag für den Computer wieder storniert werden könne. Drei Durchsagen und viel Murren in der Schlange später kam der junge Marktleiter und setzte sich an den freien Kassenplatz neben die Kassiererin, offensichtlich um anhand "seiner" Kasse sehen zu können, wie genau eine Stornierung eingebucht werden muss. Als sich der gute Mann auf den Stuhl setze brach Panik in der Warteschlange aus - kreuz und quer schossen rüstige Menschen fest an ihren Wagen geklammert Richtung zweiter Kasse und entluden den Inhalt auf das Band. Nachdem der Marktleiter seiner Kollegin weitergeholfen hatte, stand er allerdings wieder auf und ging in der Richtung davon, aus der er gekommen war. Sowas hatte Willi dann auch noch nicht erlebt - ein gemütlicher Stuhl und eine Tüte Popcorn wären jetzt genau richtig gewesen, um sich den Anblick maulender Menschen, die ihre Waren unverrichteter Dinge wieder in den Wagen packten, geniessen zu können.

Aber ... es geht auch durchaus noch einige Nummern härter, denn die Menschen wollten nun zurück auf den ursprünglichen Platz in der Warteschlange - das wiederum sahen aber einige der in der Schlange verbliebenen Kunden so gar nicht ein. Wortgefechte wurden ausgetragen, während der Mann hinter Willi bereits seinen Computer vorab einmal öffnete und sich alles genau ansah. Willi hatte noch am Morgen einen Test gelesen, wonach dieser Computer nicht so der Hit sein sollte - was liegt also näher als sein Wissen gleich weiterzugeben. Er sprach also - nachdem er den Platz 4 in der Warteschlange eingenommen hatte - den Herrn an und teilte sich mit. Nach einigem hin und her - den genauen Wortlaut möchte man(n) nicht unbedingt wiedergeben, verbot sich der Mann jede weitere Einmischung in seine Angelegenheiten. "Wer nicht will der hat schon ..." denkt sich Willi und ist auch schon auf Platz 2 in der Schlange vorgerückt und kann Fotopapier & Co. auf das Band packen. Tja ... die Dame vor ihm ist offensichtlich ein wenig taub oder war unkonzentriert - 398 Euro tönt die Kassiererin und die Dame schiebt lässig ihre ec-Karte über das Band. Jetzt wird der Mob aber so richtig laut - in der Hektik klappt das mit der Stornierung nicht gleich und die Kundin führt genau die gleiche überflüssige Unterhaltung wieder, wie am Anfang schon die andere Kundin, die nicht einsehen wollte, dass ec-Kartenzahlung hier nicht geht. Während Willi an seinen Freund k denkt, der es alltagsterroristisch gesehen für geboten erachtet hätte, jetzt ein breites Grinsen aufzusetzen und fröhliche Volksweisen zu pfeifen, wirft er statt dessen der Kassiererin sein freundlichstes Lächeln zu, als er die Euronote zum bezahlen hinhält. Während er das Wechselgeld achtlos in die Tasche steckt, überlegt er noch, ob der Herr mit dem Conmputer wohl bar zahlen und vielleicht später am Tag noch an ihn denken würde. Willi wartete sensationslustig noch - aber der Herr hatte in der tat Bargeld und der Mob würde ihn - zumindest heute - nicht lynchen ...

Im Café sitzend beschloss Willi nun doch öfter eine Einkaufstour zu machen - soviel entlarvender Realismus wird einem echt selten geboten - und dazu noch jede Menge Sparpreise - na wenn das nichts ist ...



   † ad noctem †
      Daywalker      08.10.2002



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