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Heute habe ich diesen Text in meinen zahlreichen Archiven wiedergefunden - seltsam - ich wusste gar nicht mehr, dass ich ihn mal geschrieben hatte. Wie sich die Zeiten doch ändern und das nicht nur in Form, Stil & Ausdruck ...


06.00 Uhr am Morgen
der Wecker dröhnt,
die gleichen Sorgen
zulang geklönt.

Am Bahnhof eiskalt eingetroffen,
die Menschen im Warteraum sind tot,
die ersten schon besoffen,
meine Lieblingsfrau trägt heute rot.

Der Zug rollt über Gleise,
im Fahrgastraum wird dummes Zeug geschwatzt,
und keinesfalls ist es leise,
fast wäre ich wohl trotzdem weggeratzt.

Angekommen und bereit,
zum Spurt zu Bus und Strassenbahn,
wie gern wäre ich befreit,
vom aggressiven Tageswahn.

Die Stechuhr empfängt mich mit düsterem Lächeln,
klärt mich auf über meine Arbeitslust,
würde mir gern ein wenig Kaffeehausluft fächeln,
ein Tagtraum eingeholt durch Frust.

Die Kollegen erschlagen,
mit wohl erzogner Freundlichkeit,
und ändern mein Betragen,
in müde Abgeschlagenheit.

Nach vielen Stunden Arbeitszeit,
endlich frei und unbeschwert,
all das zu tun was lange reizt,
einfach alles was man(n) begehrt.

Und zurück an den Ausgangsort,
den Kopf voll mit Gedanken,
im öffentlichen Viehtransport,
beginnt die Stimmung stark zu wanken.

Zuhause angekommen stürmt die Flut,
an unerledigten Verpflichtungen,
nimmt damit wirklich jeden Mut,
und lenkt Aktivität in die falsche Richtung?!

Und so verstreicht auch dieser Tag,
genau genommen bin ich doch schon tot,
und auch wenn man das so nicht mag,
meine Lieblingsfrau trägt selten rot.



   † ad noctem †
      Daywalker      01.02.1993/04.08.2002



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