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ein Renovierungs-Tagebuch - schonungslos und/oder deprimierend


Vorwort
Leute - sollte Euch je jemand anbieten, eine grössere Renovierung oder dergleichen in Eurer Wohnung durchzuführen, während Ihr noch darin wohnt - sagt laut und deutlich "Nein" - lest und seht selbst warum ...


Montag
Alles begann an diesem Montag - die Mieter kehrten nach einem gemütlichen sonnigen Tag im Stadtpark nach Hause zurück. Die Kidz teilten in heller Aufregung mit, dass es massiv aus der Decke im Bad tropft - sie hatten bereits Auffanggefässe im Bad verteilt. Die Rücksprache mit den Handwerkern, die im Stockwerk darüber gerade das Bad renovierten, ergab nichts Bewegendes - bei dem Abriss der Toilette sei Restwasser in die Decke gelangt - alles halb so schlimm - es sollte nach einigen Stunden wieder aufhören ...

Nach Arbeitsschluss der Handwerker allerdings bemerkten die Mieter, dass das Wasser der Toilette nicht mehr ablief - Panik brach aus, da Wohnungsbaugesellschaft und Hausmeister ebenfalls längst Feierabend hatten. Der verständigte Ruf-Notdienst wusste von der Baumassnahme im Haus selbst nichts und es war erforderlich den Namen der ausführenden Firma zu nennen - aber selbst der Mieter, dessen Wohnung unter Renovierung stand wusste ihn nicht und nur durch einen glücklichen Zufall - es hat also Vorteile, wenn Menschen sich merken, was sie gesehen haben - konnten die Mieter den Namen der Firma dann doch erfahren und dem Not-Rufdienst mitteilen. Etwa zwei Stunden später kam ein Mitarbeiter der Firma und behob die Verstopfung der Toilette die, wie er sicher behauptete, nicht von der Baumassnahme stammen würde.


Dienstag
Am Morgen war klar - der Fleck an der Decke wurde immer grösser und das Tropfen immer stärker ... Die Handwerker wurden also erneut zu Rate gezogen und sogar der Hausmeister der Wohnungsbaugesellschaft war eingeladen. Seit vielen Jahren warteten die Mieter bereits auf das Notwendigste an Renovierung und so wurde die Frage an den Hausmeister herangetragen, ob nun wieder Flickschusterei betrieben werden sollte. Nach einer gründlichen Inspektion der tropfenden Decke und anderer Kleinigkeiten, wie beispielsweise der fehlende Warmwasser-Druck in der Küche oder ein siffendes Abwasserrohr an der Toilette, wurde eine mögliche Generalsanierung für Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Da die Mieter sowieso baldmöglichst in eine andere Wohnung und damit in einen anderen Stadtteil umziehen wollten, kam die Auskunft gelegen - wer will schon mehr Dreck in seiner Wohnung haben, als unbedingt notwendig?!

Es stellte sich im weiteren Verlauf des Morgens in endlosen Untersuchungen heraus, dass es sich um insgesamt drei Wasserrohrbrüche handelt. Bei älteren Gebäuden kommt das früher oder später auf jeden Mieter einmal zu - überhaupt dann, wenn an den alten Rohrleitungen herumgebastelt wird. Die Handwerker stellten dann klar, dass die Steigleitungen und die Abwasserführung komplett getauscht werden müssen - für die Mieter heisst das übersetzt: Bad, Küche und Vorratsraum sind durch die Öffnung der Wände betroffen. Die notwendigen Massnahmen sollten am nächsten Morgen beginnen. Ein Anruf bei der Wohnungsbaugesellschaft ergab, dass es in absehbarer Zeit keine Entscheidung bezüglich einer Komplett-Sanierung geben würde.

Die Mieter, die ihren Rest-Urlaub sicher besser hätten verbringen können, fingen also an, den Vorratsraum - in 18 Jahren Miete sammelt sich so einiges an - auszuräumen, um die Wand, in der sämtliche Versorgungsrohre laufen, zugänglich zu machen. Sie hatten kein gutes Gefühl bei dieser Sache und sie sollten Recht behalten ...


Mittwoch
Kurz vor 8:00 Uhr klingelt es bereits - die Handwerker stellen sich als Heizungsfachmänner vor und referieren über die schöne neue Heizung, die die Mieter statt des alten Heizkörpers erhalten würden. Da kann man dann die Handtücher schön trocken - überhaupt eine sehr saubere Sache. Die verdutzten Mieter fragten nach und die Fachmänner bestätigten, dass es sich nicht um einen Irrtum handeln würde. Wenig später tauchte dann der Hausmeister auf und verkündete, dass das Bad komplett saniert werden würde - Beginn der Massnahme: sofort

Plötzlich musste kein Techniker mehr kommen und keine Versicherung entscheiden, ob das Bad geflickt oder saniert werden kann.

Unter der Massgabe, dass das Ganze so schnell und so sauber wie möglich ablaufen wird, sagten die Mieter unter dem Eindruck, jahrelang umsonst auf Reparaturen und Sanierungen gewartet zu haben, die Massnahme schweren Herzens zu. "Wenigstens nur einmal Dreck" dachten sie sich noch .... Selbstredend wurde es nicht versäumt ihnen bildlich zu machen, was sowieso zur Behebung der Rohrbrüche erforderlich wäre - sprich Abbau der Badewanne etc. pp. Überzeugungsarbeit nennt sich das sicher.

Genauso selbstverständlich hatten die Handwerker aus der Abteilung "Wasser" kein Abdeckmaterial dabei - das aber sei für diesen Tag nicht so schlimm ... "Alles eine Frage der Betrachtungsweise" denken sich die Mieter und weisen darauf hin, dass ab dem nächsten Tag ohne Abdeckfolien nichts gehen würde.

Und dann ging es auch schon los - schweres Bohrgerät - zumindest sieht das für ungeübte Nur-Mieter, die ihren Freitag Nachmittag nicht im Baumarkt verbringen, so aus - wird in den Vorratsraum geschleppt und wenig später ist der ohrenbetäubende Lärm überall - ob nun mit oder ohne Ohrstöpsel. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die Handwerker ohne Schallschutzkopfhörer und Atemschutz in dem kleinen Raum ohne Fenster bei geschlossener Tür arbeiten - eben keine Weicheier ...

Es fällt auf, dass keine Lärmgewöhnung eintritt - das liegt wahrscheinlich an den ständigen, aber sicher erforderlichen Unterbrechnung, des Handwerkers am Bohrhammer.

Handwerker beenden pünktlich ihre Arbeit - ab spätestens 16 Uhr kehrt Ruhe ein - die Mieter hatten aber die Rechnung ohne die Heimwerker im Hochhausilo gemacht und so zieht sich der Lärm dann bis gegen 21:00 Uhr hin.


Donnerstag
Heute ist der grosse Tag - Badewanne und Waschbecken im Bad fallen den Sanierungsmassnahmen zum Opfer. Und erstmal tropft es nicht mehr von der Decke - braune Ränder machen sich bemerkbar und erinnern an Überschwemmungsablagerungen an Flüssen, Seen und in Häusern in der aktuellen Berichterstattung bezüglich der Unwetter in Deutschland. Ausserdem muss die Wand im Vorratsraum nun doch deutlich weiter geöffnet werden, als zunächst angenommen.

Wenigstens aber haben die Jungs dieses Mal Abdeckungsmaterial dabei - ein interessantes Detail wird von den Mietern wahrgenommen - während in der guten alten Zeit eine solche Plane mit dem allseits bekannten Kreppband befestigt wurden - hält ja auch mindestens 10 Minuten - verwenden die jungen wilden Handwerker heute Gaffa - es hat also ein Lernprozess stattgefunden, den man durchaus begrüssen darf ;-)

Der eintreffende Hausmeister verkündet, dass der Elektriker dann auch noch kommen werde, um die überalterte Stromverkabelung besser aufzulösen und zusätzliche Sicherungen einzubauen. Dazu bedarf es lediglich einiger "kleiner" Schlitze und eines grösseren Sicherungskasten im Flur meint der gute Mann, während er listig hinter seiner Lesebrille hervor sieht. Die Mieter lehnen diese Massnahme rundweg ab. Lauthals (der Lärm liegt deutlich über der normal-sprech-Grenze) erklären sie, dass noch mehr Dreck, ein weiterer Raum, der betroffen ist, nicht in Frage kommen. Schliesslich haben Wohnungsbaugesellschaft und Handwerker in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass die Phantasie bezüglich Flickschusterei keine Grenzen kennt - also sollen sie sich auch diesesmal etwas einfallen lassen.

Es wird der grobe Ablauf mitgeteilt - der Flur vor der Wohnung hat sich in ein Materiallager verwandelt, aus dem sich andere Bewohner ganz offensichtlich gut bedienen, wie die Handwerker zu Besten geben - am Ende der Lagebesprechung wird den Mietern das Ausmass dessen klar, dem sie zugestimmt haben. In 14 Tagen werden sie voraussichtlich zum ersten Mal wieder duschen können.

Während die Badewanne und das Waschbecken lautstark gelöst und hinaus getragen werden, quält sich einer der Handwerker mit der Waschmaschine in der Küche ab. Diese muss erstmal weichen, da dahinter die Abflüsse liegen, die ausgetauscht werden sollen. Dann noch die Spüle und schon gehts hier auch los mit dem Bohrhammer, der den Anschein erweckt, als könne er gar nicht genug Futter bekommen.

Der PVC-Boden in der Küche kriegt während des Verschiebens der Waschmaschine einige deutliche Kratzer ab - das Pfeifen der Handwerker hört sich für die Mieter wie reiner Hohn an - die Stufe des Erträglichen ist langsam aber sicher erreicht. Der Staub zieht sich heimlich still und leise durch den Flur.

Die Zeit scheint zu kriechen - und trotzdem - der Feierabend kommt - grobe Putzarbeiten und die erfreuliche Mitteilung, dass an diesem Abend nur das kalte Wasser fliessen wird - mit dem Leitungsstrang für die Warmwasserversorgung sei man nicht fertig geworden.

Die Mitteilung, dass es ab Freitag Morgen nur noch eine Not-Toilette geben wird, ruft extreme Verzückung bei einem der Mieter hervor - er tickt für einige Momente aus, beruhigt sich dann aber doch wieder und fügt sich in das Unausweichliche ...

Ein Blick ins Bad hebt die Stimmung allerdings nicht ...

In der Nacht wird der Mieter auf der Plastikfolie vor dem Bad ausrutschen und schmerzhaft auf dem Boden aufschlagen. Es hätte Schlimmes passieren können ...


Freitag
Die Toilette wird abgerissen und durch ein Not-Klo ersetzt. Immerhin sind die Handwerker so freundlich, einen Wasserhahn am Rohrstummel des Waschbeckens anzubringen, damit man den Eimer nicht immer in der Küche füllen muss. Leider verzögert sich die Montage der Not-Toilette und der Mieter macht sich auf den Weg ins örtliche Einkaufszentrum, um dringende Geschäfte zu verrichten.

Die Waschmaschine muss erneut weichen - die Steigleitung für das Warmwasser wird montiert - allerdings nur ab dem Erdgeschoss - für den Rest ist keine Zeit mehr - Arbeitszeitverkürzung am Freitag dürfte da das Zauberwort heissen - das wird dann ab Montag gemacht. Sehr erfreulich ist nebenbei, dass seit Dienstag bereits über den Tag kein Wasser verfügbar ist.

Gegen Mittag funktioniert also das warme Wasser in der Küche wieder. Die Waschmaschine hat ihren Platz zurückerhalten - nicht für lange, da das Ganze auch noch verputzt werden muss. In den Trümmern des Esszimmers findet sich schwer etwas - die Mieterin bietet den Handwerkern dankenswerterweise einen Café an und wird im Gegenzug in die Geheimnisse des manuellen Eimer-Spülens eingeweiht. Etwaige Bedenken zum Thema Gerüche und/oder Verstopfungen werden von den Handwerkern nachhaltig zerstreut. Nun ja ... nicht wirklich ...

Das ständige Klingeln hört auf, der Lärm verebbt und das Bad ist wieder "sauber". Die Mieter wischen und nehmen die Tücher von den Türen - gut dass kein Asthmatiker unter ihnen ist.

Einmal klingelt es noch - der Heizungsmonteuer kündigt an, am Samstag Mittag die Heizung setzen zu wollen.

Abhängen ... trostlose Gedanken ...


Samstag
Die Jungs von der Abteilung "Heizung" verspäten sich zuerst und teilen dann auf Nachfrage mit, dass die Heizung doch erst am Montag kommen würde. Die Mieter beschliessen diese Chance unbedingt zu nutzen und machen sich zum Frühstück ausgehfertig. Bei ihrer Rückkehr fällt ihnen der Geruch und der feine Staub in der Wohnung erst wieder auf.


Sonntag
Sonntags arbeitet niemand ... ein freier Tag ... Erholung? Urlaub jedenfalls zuende!


Montag
Nachdem der Mieter die Mieterin zur Arbeit gebracht und alles erledigt hat, was vor dem erneuten Versiegen des Wassers getan werden muss, wartet er auf die Handwerker. Heute dauert es ein wenig länger bis es das erste Mal klingelt - die Gipser kündigen sich an, um das Bad endgültig platt zu machen. Die Heizungsjungs kennen sich ja bereits bestens aus - die werkeln hinten im Abstellraum, während sich trotz entsprechender Vorkehr natürlich der Abrissstaub aus dem Bad in der Luft verteilt und sich zu allem Überfluss schwer auf die Atemwege legt.

Der Mieter versucht bei den vielen Handwerkern und dem ständigen Klingeln die Übersicht zu behalten - gar nicht so einfach ... plötzlich stehen fünf Mann im Bad, die untereinander versuchen, ihre weiteren Aktivitäten abzusprechen - die Frau des Heizungsfachmanns hat heute Geburstag - also früher Arbeitsschluss um Stress zu vermeiden. Die Anderen nicken zustimmend. Der Mieter indendifiziert den Elektriker und erklärt ihm nochmals nachhaltig - natürlich hatte der Hausmeister diese unliebsame Information nicht weitergegeben - dass es im Flur keinen Hammerschlag gegeben wird. Dieser zeigt Verständnis für das angespannte Nervenkostüm des Mieters - überhaupt stellt der Mieter für sich fest, dass alle sehr freundlich sind! - und rätselt dann, wo wohl die Erdung an den Plastikrohren angebracht werden soll. Die Herren Handwerker verbleiben so, dass die Heizung dann am nächsten Morgen eingebaut werden soll und dann die Gipser erst am Mittag rein können. Der Mieter macht darauf aufmerksam, dass die Wasserzu- und abflüsse in der Küche verputzt werden müssen, während die Jungs von der Abteilung "Wasser" im Haus sind, da Spüle und Waschmaschine ja ab- und wieder angeklemmt werden müssen. Wann die Steigleitungen dann fertig sind, damit die Gipser den Abstellraum verputzen können ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Alle Beteiligten aber muckieren sich über das "Hoppla Hopp" dieser Aktion insgesamt. Und ... werden die Gipser nicht rechtzeitg fertig, dann gibt es keine Fliessen - die sollten ab Mittwoch gelegt werden, denn ohne Fliesen keine Toilette, kein Waschbecken und auch keine Badewanne.

Verschnaufpause - die Handwerker machen Pause - die Not-Toilette muss von den schlimmsten Trümmern befreit werden - irgendwann muss man sie einfach benutzen ... und immer noch sind es fast zwei Wochen bis zur in Aussicht gestellten Fertigstellung.

Auf dem Weg zum Briefkasten werfen ihm andere Mieter böse Blicke zu. Es dauert einen Moment, bis ihm klar wird, dass er möglicherweise auch so dreinschauen würde, wenn er als Nichtbetroffener seit einer Woche am Tage kein Wasser hätte.

Metallische Geräsche machen klar, dass nun der Schutt aus dem Bad in Eimer gefüllt und nach draussen gebracht wird. Es klingelt ... diesmal kommt Besuch für den Mieter - eine sehr willkommene Abwechslung, denn er wird noch viele Tage an seine Wohnung gefesselt sein ...


Dienstag
Beim Verlassen der Wohnung entdeckt der Mieter, dass der noch verpackte Spülkasten offenbar einen Interessenten gefunden hat, denn das gute Stück hat sich von "ganz alleine" neben die Haupteingangstür des Hochhauses bewegt - "abholbereit" fällt ihm da trefflich als Vokabel ein - aber das wird wohl doch nichts werden - er trägt ihn wieder in den Flur und verschliesst ihn in der Wohnung - "sicher ist sicher" denkt er sich - nicht auszudenken, wenn die Toilette endlich wieder montiert werden könnte und dann der Spülkasten dazu fehlt und erst bestellt werden muss.

Ein letzter deprimierter Blick auf das mit dunklem Putz gestern noch grob verschönte Bad - ein Raum mit weniger als drei Quadratmetern ohne Fenster mit dunklem Putz sieht echt zum Fürchten aus. Die Luft ist feucht warm und in Verbindung mit dem angestauten Staub nimmt es einem den Atem. Da nützt auch die sogenannte Not-Entlüftung nichts :-( Heute packt der Mieter sein geliebtes Not-Klo in viel Plastikfolie ein - die Gipser hatten das gute Stück gestern derart eingesaut, dass die Reinigung nur mit viel Mühe überhaupt zu machen war. Man(n) lernt ja schliesslich dazu ...

Heute sind die Elektro-Jungs die Ersten die kommen, um die Badewannenerdung durchzuführen Trotz der Handwerkerversammlung gestern, scheint heute alles ein wenig durcheinander zu gehen, denn plötzlich sind die Gipser da, die heute Mittag erst kommen wollten und die Abteilung "Heizung" ist noch nicht eingetroffen. Der Strom wird abgeschaltet um die Erdung zu montieren. Der Mieter macht darauf aufmerksam, dass seit gestern Mittag die Beleuchtung in der Vorratskammer defekt ist und er mit dem Tausch der Glühbirne keinen Erfolg hatte. Der Elektriker fragt sogleich den Gipser nach der Ursache - der weist eine Schuld sofort von sich und eine Überprüfung wird in Aussicht gestellt. Derweil trifft die Abteilung Heizung ein - der Elektriker meldet, dass es bei der Lampe Kontaktschwierigkeiten gegeben hätte, die jetzt beseitigt seien und verabschiedet sich. Der Mieter denkt nicht lange über die Erklärung nach und bedankt sich artig. Die Gipser verhandeln derweil mit der Abteilung Heizung über den "Kasten" der später die Aufputzheizungsrohre verdecken soll.

Der Mieter zieht sich erstmal in sein mit Laken verhangenes Zimmer zurück, aber kaum dass er sich gesetzt hat, klopft es bereits wieder. Die Gipser trauen sich nicht zu, die beiden Badlampen abzunehmen, ohne dass der Elektriker anwesend ist. Der Mieter wird also dazu angehalten, doch den Hausmeister anzurufen - wie gut dass die Zettel an der Pinwand im Flur zwar eingestaubt aber noch lesbar sind - und in der Tat - der Hausmeister ist sofort am anderen Ende der Leitung und der Elektriker lässt nicht lange auf sich warten. Die zweite Lampe gestaltet sich schwierig, da sie nicht am Stromkreis Bad angeschlossen ist und so wird der Strom erneut abgeschaltet - wer hätte es gedacht - sie ist mit dem Flur abgesichert. Jetzt ist der Weg frei für die Gipser und die Abteilung Heizung - aber so recht will das Ganze nicht beginnen. Logisch - eine Besprechung muss einfach sein - das kennt man heute ja auch wirklich allen Bereichen - derweil siniert der Mieter, dass es ab heute wohl einer Taschenlampe bedarf, um die Toilette zu benutzen ... sind die Akkus geladen?

Als der Mieter mit vorsichtigen Schritten durch das Materiallager im Flur Richtung Briefkasten geht, begegnen ihm die Mitarbeiter der Abteilung Sanitär, die gerade die neuen Badewannen anliefern und während er den Briefkasten aufschliesst und seine Post entnimmt, beneidet er die Mieter im Stockwerk über ihm, denn dort wird die Badewanne heute sicher schon eingebaut. Später sollte er erfahren, dass sein Neid unbegründet war - die Fliesenleger waren noch nicht da ...

Die Badewanne steht nun im Flur - irgendwie total unspektakulär dafür dass mensch sich so danach sehnt. Tja ... die kann er nicht in die Wohnung wegschliessen - also mal sehen, ob die auch jemand brauchen kann?! Schliesslich hat das alte Waschbecken ja auch innerhalb von wenigen Minuten einen unbekannten Abnehmer gefunden. Die Leitungen für die Schweissarbeiten werden gelegt und ein grosser Halogenstrahler wird moniert - ob das die Stromleitung wohl hergeben wird?

Während die Schweissarbeiten beginnen, gibt es noch schlechte Nachrichten von der Abteilung Sanitär. Die Endmontage des Abflusses im Vorratsraum - die Wohnungsbaugesellschaft hielt es für eine gute Idee diesen für eine Waschmaschine anbringen zu lassen - wird erst bei der Endmontage des Bads erfolgen. Auch die Absperrventile und die Wasseruhren, die ebenfalls im Vorratsraum sitzen, werden also erst Ende nächster Woche montiert - damit bleibt das Trümmerfeld Esszimmer also ebenfalls noch länger erhalten - wie schön ...

Die Abteilungen Heizung & Gips arbeiten in trauter Zweisamkeit nebeneinander ... bei ausgehängter Badtür, da die Heizung direkt dahinter sitzt und verstauben so weiter schön die Wohnung - Mittagspause und auch der Mieter stärkt sich, während er darüber nachdenkt, sein Outfit der Verschmutzung anzupassen.

Der Lärm des Bohrhammers schreckt den Mieter plötzlich aus seiner Apathie, mit der er die ganze Zeit auf der schwarzen Couch sass - für die Heizung muss noch ein Stück Wand weichen. Bei seinem neuerlichen Rundgang stellt der Mieter fest, dass mittlerweile der Vorratsraum komplett verputzt ist und dass die Gipser sich in der Küche ein wenig Arbeit gespart haben. Statt Waschmaschine und Spüle nach vorne zu holen, um alles korrekt zu verputzen, haben sie die Waschmaschine ein Stück nach vorne gerückt und nur den Bereich notdürftig verputzt, der von oben einsehbar ist. "Egal" denkt sich der Mieter - "sieht eh niemand" - mit dieser Überlegung dürfte er unbewusst das Gedankengut des Gipsers genau getroffen haben?! Und überhaupt ist das Wörtchen Not in diesen Tagen doch sehr gebrächlich.

Oh ha ... Sternspritzer im Bad, als die Heizungs-Jungs die alte Heizung abtrennen und sich dabei über die steigende Thrombosengefahr bei längeren Arbeiten in der Hocke unterhalten. Die Gipser schmieren fleissig - schliesslich liegen im Hausflur noch sechs ungeöffnete Sack Putz - die wollen verbraucht werden. Ein zarter Hauch kindliches Weihnachten zieht durch die Wohnung, als der Trennschleifer seine Arbeit einstellt.

Der Rest des Nachmittags verläuft für derzeitige Verhältnisse eher ereignislos - die Heizungs-Jungs tun sich offensichtlich schwer mit dem Einbau - die Gipser werden heute nicht fertig - dann wird das morgen auch nix mit dem Fliessenleger ... tief drin hat der Mieter das auch gar nicht anders erwartet. Er wird dann nachher die Fuss-Spuren der Gipser in der Küche beseitigen und die Mieterin von der Arbeit abholen. Ein Licht-Blick im wahrsten Sinne des Wortes - eine Badlampe wurde notdürftig montiert - es gibt also Licht im Dunkel ...

Die Bilder des heutigen Nachmittags reicht der Mieter mit dem morgigen Eintrag nach - irgendwie kann er das Elend nicht mal mehr durch das "Auge" der Kamera betrachten ...


Mittwoch
Nachdem der Mieter gestern noch rund eine Stunde damit verbracht hat, die schlimmsten Spuren der Gipser zu verwischen - im wahrsten Sinne des Wortes - hatte er sich vorgenommen, dass es ab heute nicht mehr Dreck geben würde, als unbedingt erforderlich. Gleichzeitig reagiert die Mieterin körperlich allergisch auf Staub und Dreck in der Luft - es musste sich also etwas tun. Der obligatorische Blick ins Bad bringt wenigstens ein klein wenig den Eindruck, dass es voran geht. Die Abstandhalter sind bereits eingeputzt und so sollte es jetzt zügig vorangehen. Dazu müssten die Gipser allerdings erstmal kommen...

Mittlerweile bemächtig sich der Mieter der Plastikfolie und klebt damit alles ab, was schmutzig werden könnte - klar - das muss man schon selbst machen. Nie verstehen wird er, dass Handwerker zwar Dreck machen, es aber definitiv nicht als ihre Aufgabe ansehen, diesen Dreck auch wieder zu beseitigen.

Kurz vor 9:00 Uhr ruft der Mieter beim Hausmeister an und meldet die Gipser als "vermisst". Dieser will bei der Firma mal nachhören. Gleichzeitig klingelt wenig später Telefon und Türglocke - der Gipser (heute nur einer) ist da. Der Mieter macht ihm gleich klar, dass heute sauberer gearbeitet werden muss, da sich die Allergie der Mieterin ausbreitet und es nicht sein kann, dass der Dreck durch Unachtsamkeit und/oder Ignoranz überall verteilt wird. Man zeigt sich erneut verständig - allerdings ist die Ermahnung bereits nach fünf Minuten vergessen. Als der Mieter das sichere Zimmer verlässt, steht die Badtür auf und der Staub des Rohmaterials zieht sich in den Flur. Der Mieter baut sich von dem Gipser auf, seine Mundwinkel zittern - ein sehr deutliches Zeichen übrigens, dass jetzt nicht mehr mit Freundlichkeit zu rechnen ist - und obwohl kein Bohrhammer die Umgebungsgeräuschkulisse hebt, wird der Mieter - vorsichtig formuliert - laut und erklärt, dass er den Gipser für etwaige Folgen und/oder Folgekosten persönlich verantwortlich machen wird - gleich welchen Aufwand das bedeutet. Als er sich in seinen sicheren Raum zurückzieht, stellt er die Jalousie so, dass jeder Lichtschein, der von der offenen Badtür in den Flur fällt sofort registriert und er darauf reagieren wird. Dass der gute Mann im Band ohne Mundschutz Gips anrühert ist ganz offensichtlich sein Problem. Auf Nachfrage teilt er mit, dass das alles halb so schlimm ist - klar - er ist ja noch jung - und dass das Bad, die Küche und die Abstellkammer heute komplett fertig würde. Man(n) darf also gespannt sein ...

Einige Fragen sind noch offen und so bedarf es eines erneuten Telefonats mit dem Hausmeister um zu erfahren, dass die Monteure der Ablesefirma die Wasseruhren und die Verbauchsanzeige für die Heizung mal in zwei Tagen mal erst in drei Monaten montieren. Das würde aber keiner besonderen Vorbereitung bedürfen und mache auch keinen Dreck. Na dann ... Nachdem das Bad ja nun dankenswerterweise komplett gefliesst werden wird, müsse sich der Mieter auch um den-krieg-ich-nie-wieder-sauber-PVC im Bad nicht kümmern - der Boden wird ebenfalls gefliesst. Und ja ... der Fliesenleger kommt morgen früh, da die Gipser ja heute fertig würden. Beruhigende Grundtendenzen stellen sich ein. Die Badtür muss doch das eine oder andere Mal manuell geschlossen werden - Erklärungsversuche werden im Keim erstickt.

Am frühen Nachmittag ist es dann soweit - das Bad ist bis auf die Stelle hinter der aktiven Lampe verputzt - die Angaben des Elektrikers, dass diese Lampe mit dem Flur abgesichert sei, erweist sich als falsch - der Gipser erfährt einen Stromschlag - einen weiteren Kurzschluss später ist die Lampe hinüber - das zeigt der Anschluss im Schein der Taschenlampe des Mieters kurze Zeit später. Die Handlampe des Mieters wird also hervorgekramt - trotz der Jahre in der Versenkung funktioniert sie - gibt aber nur sehr spärliches Licht. Die letzte Stelle wird verputzt - dann ist der Uralt-Abzug in der Küche dran - das geht schnell - sorgsam abgeklebt, denn der Mieter schaut jetzt zu. Die Beiden kommen ins Gespräch - Small-Talk - und in der Tat - der Mieter hatte mit seiner Einschätzung recht - der Gipser fährt einen BMW M3 ;-)

Während der Gipser das Bad vom grössten Dreck befreit, kehrt der Mieter die Abstellkammer und wischt sie feucht auf. Dann werden die dreckigen Planen im Esszimmer und ich der Küche entfernt - natürlich hat der Mieter sicherheitshalber mehrfach nachgefragt, ob wirklich alles fertig sei. Der Küchenboden ist schnell gekehrt und ebenfalls nass aufgewischt. Die beiden Regale hängen schon wieder und die Kaffeemaschine ist vom Staub befreit - ein Anfang ...

Nachdem der Gipser sich verabschiedet hat - er muss nochmals kommen, da die Jungs von der Abteilung Heizung heute natülich nicht da waren, um die letzten Vorarbeiten zu erledigen, denn der Kasten zum Verstecken der Heizungsrohre kann ohne diese Vorarbeit nicht angebracht und verputzt werden. Dies sei jedoch nicht wirklich ein Problem - jeden Morgen sei eine Einsatzbesprechung aller Firmen beim Hausmeister und da würde man(n) die Angelegenheit dann besprechen. Morgen früh sollen die Jungs vom Sanitärbetrieb kommen und die Badewanne einpassen und anschliessend kommen vielleicht die Fliesenleger. Wir sind gespannt ...


Donnerstag
Verschlafen! Oh je ... das wird gerade so reichen ... umsonst beeilt ... der Gipser kommt erst nach 8 Uhr ... Gestern Abend nach 19 Uhr waren die Heizungs-Jungs nochmal vor Ort, um die Isolierung der Heizungsrohre anzubringen, damit der Gipser heute morgen dann die Verkleidung anbringen kann. Das hat er gut drauf - knapp eine Stunde später ist er auch schon fertig, vergipst nach das Loch in der Küche, das durch die Entsorgung eines Uralt-Lüfters entstand und verabschiedet sich.

In der Wohnung darüber ist seit 7 Uhr bereits Baulärm zu hören - der Fliesenleger kommt also früher speichert der Mieter in seinem Gedächtnis.

Der Mieter hat gestern Abend noch einiges an Säuberungsarbeit geleistet und kann sich derzeit noch ohne ständig die Schuhe wechseln zu müssen, in der Wohnung bewegen. Es klingelt und der Hausmeister steht mit dem Fliesenleger im Schlepptau vor der Tür. Sie inspizieren das Bad und stellen fest, dass der Putz noch viel zu feucht ist. Der Fliesenleger moniert die schlampige Arbeit des Gipsers und teilt mit, dass er mit Überstunden erst am Freitag Nachmittag das Bad in der Wohnung darüber schaffen wird. Damit steht klar, dass das Bad des Mieters erst am Samstag Morgen mit Fliesen versorgt wird - in der ursprünglichen Zeitplanung sollte er am Samstag bereits mit dem Verfugen der gelegten Fliesen fertig sein ... Da der Boden ja ebenfalls gefliest werden soll, ist die Not-Toilette dann ab Samstag ebenfalls nicht mehr benutzbar - das ist wirklich klasse :-( Der Hausmeister bietet für diese Zeit eine leere Wohnung im 4. Stock an, die bereits ein neues Bad hat. Super Sache - erst muss man ständig einen Handwerker fragen, ob mann/frau die Toilette mal benutzen darf - die stehen dann davor und warten ... und dann für einige Tage in den 4. Stock. Aber ... die haben da ja auch eine neue Badewanne .. hmmm ...

Wo denn die alte Wasseruhr geblieben sei fragt der Mieter und erfährt, dass die bereits zum Hausmeister verbracht wurde, damit der Zählerstand nicht verloren geht. Die Verbrauchsanzeige der Heizung verbleibt dagegen beim Mieter. Jetzt soll noch der Elektriker kommen, der den Anschluss für die zweite unnötige Badlampe noch blind legen muss. Ausserdem wird jetzt die Abteilung Sanitär verständigt, damit die Badewanne heute noch gesetzt werden kann. Die Heizung wird dann am Mittwoch kommender Woche zusammen mit der Sanitär-Endinstallation montiert und am Donnerstag soll dann der Maler kommen, um die Decke zu streichen. wenn also alles so klappt, dann würde der Zeitplan eingehalten und je länger der Mieter darüber nachdenkt, um so klarer wird ihm, dass das von Anfang an so geplant war und dass die Beteiligten das gesprächsweise nur ein wenig geschönt hatten. Der Fliesenleger meckert, weil das Loch im Abzug für den Kaminfeger zu klein für handelsübliche Türen sei - er soll sich etwas einfallen lassen entgegnet der Hausmeister souverän. Der Mieter macht darauf aufmerksam, dass wegen der Allergie der Mieterin sauber gearbeitet werden muss - der Fliesenleger lamentiert - ergibt sich aber in das schwere Schicksal, seine Platten im Aussenflur - ca. 3 Schritte zu gehen - zu schneiden. Der Mieter wird das sehr genau beobachten. Samstag 8 Uhr soll es losgehen - morgen gegen Abend wird er sein Werkzeug bereits vorbei bringen. Während der Mieter mit dem Hausmeister ein Gespräch über Allergien beginnt, verabschiedet sich der Fliesenleger.

Es scheint, als würde der Mieter morgen gar nicht wissen, was er mit der vielen handwerkerfreien Zeit anfangen soll ;-)

Der Hausmeister verabschiedet sich - erst später fällt dem Mieter ein, dass die Schlüsselübergabe für die Wohnung im 4. Stock noch gar nicht besprochen wurde - also morgen früh mal mit ihm telefonieren.

In der Zwischenzeit leert sich durch die Fertigstellung des Abstellraums das Esszimmer ein wenig - allerdings muss dort trotzdem Platz gelassen werden, damit Wasseruhren und Absperrventile noch montiert werden können - also im Prinzip nur eine leichte optische Verbesserung - aber immerhin.

Für den Mieter steht nun ein dringender Zahnarzttermin an und die Mieterin übernimmt ab sofort die Aufsicht - da der Termin wohl länger dauern wird :-(, gibt es die restlichen Ereignisse das Tages dann als Nachtrag in der Fortsetzung morgen ...


Freitag
Stillstand ... die Sanitärabteilung war gestern Mittag noch da und hat die Badewanne montiert. Die Jungs waren ziemlich sauer, weil sich der Gipser nicht an die Absprache bezüglich der Höhe der Badewanne gehalten hat und sieben Zentimeter abgeklopft werden mussten. Ausserdem hatte der Gipser den Badewannenabfluss ziemlich zugespachtelt - das liess keine Freude aufkommen. Zwar hatten die Jungs eine Lampe aber keine Glühbirne dabei, und so schenkten ihnen die Mieter einfach eine. Quasi im Gegenzug wurde dafür bereits der Verschluss des neuen Abflusses in der Vorratskammer montiert, denn bei heftigen Regenfällen, die ja derzeit durchaus üblich sind, verbreiten die Abflüsse der Wohnung einen ätzenden Geruch :-( Ausserdem erfuhren die Mieter, dass das Setzen von Wasseruhren und Absperrventilien doch ein wenig Dreck und Feuchtigkeit bringen wird. Also erstmal nix mit Abstellkammer einräumen. Darüber hinaus bezweifelten sie, dass der Fliesenleger Dienstag Mittag fertig sein wird. Schöne Aussichten ...

Das Telefonat in aller Frühe (der Hausmeister ist nur von 07:00 - 08:30 Uhr telefonisch erreichbar) ergibt, dass sich heute nichts tut - Ausnahme - der Fliesenleger bringt sein Werkzeug am Nachmittag nach Fertigstellung der Wohnung darüber. Die Schlüsselübergabe für das Not-Bad im 4. Stock wird vereinbart...

Also ein freier Tag - über den sich die Mieter nicht wirklich freuen können, solange die Wohnung staubig und das Bad nicht benutzbar ist ... Überlegungen sind im Gange, die Nacht von Samstag auf Sonntag im Hotel zu verbringen - hätte ja was ;-)

Immerhin - morgen früh 8 Uhr gehts heiter weiter ...


Samstag
Der Fliesenleger ist auf die Minute pünktlich und beginnt ohne grosse Worte mit seiner Arbeit. Die Mieter sind hocherfreut, dass sie ihn nicht an die Sauberkeit erinnern müssen, die versprochen wurde.

"Worte ..." denkt der Mieter, als er zum ersten Mal die Toiletten-Ausweichwohnung im 4. Stock betrifft - in der Tat ist dort das Einzige was fertig ist das Bad. Ansonsten gleicht die Wohnung einem Neubau - Türen gibt es genauso wenig wie Licht - da kommt also dann die Taschenlampe wieder zum Einsatz - Akkus laden! - und die Handwerker haben wohl mitten in der Arbeit alles liegen und stehen lassen - klar ... Freitag ruft der Feierabend schon früh - wer kennt das nicht.

Irgendwie hatte die Ankündigung des Hausmeisters vermuten lassen, dass die Wohnung fertig renoviert sei - oder war es doch die Wunschvorstellung der Mieter, die seine Worte dann einfach so interpretiert haben. Auf jeden Fall ist Vorsicht angebracht und natürlich darf mann/frau es nicht wirklich eilig haben - 4 Stockwerke - der Aufzug ist zielsicher defekt - sind doch eine Menge. "Oh - heute Abend beim Chinesen essen" sinniert der Mieter - ab und an wird das Essen von den Mietern nicht so gut vertragen, was keineswegs bedeutet, dass das in der Verantwortung des Chinesen liegt - Junk-Food-Generation ...

Total ätzend ist es dann morgen früh nach dem Erwachen - dann erstmal verschlafen in die Klamotten und ab in den 4. Stock. Das karikierende Bild des dickbächigen Deutschen, der im vergilbten weissen Feinrib-Unterhemd und möglichst modisch mehrfarbigen Adiletten mit einem Handtuch über die Schultern geworfen Handtuch durch den Flur schlurft, verfolgt den Mieter immer wieder. Ein Trost bleibt - die dazu üblichen fettigen Haare hat er in keinem Fall zu bieten - Kurzhaarfrisur sei Dank.

Beim Frühstück fällt angenehm auf, dass der Fliesenleger mit Abstand der Handwerker ist, von dem man am wenigsten hört und sieht. Seine lärmigen Arbeiten erledigt er im Hausflur - zieht dazu weitgehend die Tür zu - das Ganze hat tatsächlich etwas Entspannendes ...

Draussen regnet es seit gestern Abend fast ununterbrochen - es ist dunkel in der Wohnung - das Radio spielt leise und die Mieterin räumt den Vorratsraum so gut es eben geht ein - das Esszimmer soll ja wieder benutzbar werden.

Als der Mieter in die Küche geht, um sich noch einen Café einzuschenken, fahren seine Finger - fast schon aus Gewohnheit über das Schränkchen im Flur - die Finger sind weiss - also doch - aber ... er verdrängt diese Tatsache nach dem Motto: "Was ich nicht sehe ..."

Die Mieter haben von einem Hotelaufenthalt in der Nacht zum Sonntag abgesehen - statt dessen sind sie bei Freunden eingeladen - da kann die Gute-Nacht-Toilette ja direkt beim nachhausekommen erledigt werden :-/ - und morgen gehts auf das Altertumsfest in einem der Nachbarorte. Und dann, so versichert der Gipser, kann der gespachelte Fussboden auch wieder mit dem Not-Klo bestückt werden. Dazu werden 100pro Einmalhandschuhe gebraucht - denn so langsam aber sicher, wird die Angelegenheit dann doch recht eklig ...

Nachdem der Fliesenleger für heute fertig ist, macht er nochmals nachhaltig darauf aufmerksam, dass das Bad wegen des gespachtelten Fussbodens nun 24 Stunden nicht betreten werden darf, denn sonst war alles umsonst. Am Montag dann legt er vor Feierabend die Bodenfliessen - da sei es nicht so schlimm - da das Ganze mit Schnellkleber gelegt werden wird, kann das Bad schon zwei Stunden später wieder mit dem Not-Klo ausgestattet werden. Bis dahin können sich die Mieter aufgrund des neu erworbenen Sachverstands dann ja als Aushilfe im Sanitärbereich - Einweisung von stress geplagten Mietern im Umgang mit der Not-Toilette - bewerben. Sag' einer, dass Sarkasmus keine Wunderwaffe sei ...

Da die Akkus der Digi-Cam leer sind (Ladezeit rund 12 Stunden) gibt es das obligatorische es-geht-voran-Bild dann mit dem Montagseintrag ... dann sieht es vermutlich auch schon so aus, als ob es doch noch etwas werden würde.

Nach Eintrag zum x-ten Mal heute in den 4. Stock gepilgert ... ;-)


Sonntag
Zwischenspiel ... der Fussboden ist bestens abgetrocknet und nach den häufigen Ausflügen in den 4. Stock beschliessen die Mieter nach dem Frühstück, das Not-Klo wieder zu montieren. Mit Gummihandschuhen bewaffnet, trägt der Mieter das gute Stück vom Hausflur durch das neue Materiallager im Flur der Wohnung Richtung Bad, um es auf die Anschlussmuffe zu schieben. Natürlich hatte der Fliesenleger das Teil nicht vollkommen entleert - also läuft die muffige Brühe erstmal auf dem getrockneten Fussboden lang. Die Mieter, so stellt sich heraus sind einfach zu vertrauensseelig - denn als das Not-Klo dann auf der Muffe sitzt und Wasser eingegossen wird, läuft ihnen die Brühe schon wieder auf den Boden. Was ist also passiert? Der Fliesenleger hat offensichtlich das gelbe Plastikteil zum besseren Aufbringen des Putzes und des Klebers auf den Abfluss gesteckt. Dieses Teil ist innen geschlossen - daher kann das Wasser nicht abfliessen. Ob nun dass Teil unter Einsatz von Gewalt entfernt werden kann wissen die Mieter nicht und beschliessen, während sie den Fussboden aufwischen, es nicht zu versuchen und statt dessen weiter in den 4. Stock zu pilgern. Das wird dann wohl morgen in aller Frühe geklärt werden können, denn der Fliesenleger tritt bereits um 7 Uhr an. Das wird wieder ein netter Tag - denn im 4. Stock sind morgen die Handwerker und ohne Türen ...

Der Mieter wundert sich, dass in ihm nach diesem feuchten Erlebnis keinerlei Aggression aufsteigt - das ist wohl einer Depression gewichen, die vielleicht erforderlich ist, um das alles noch einige Tage ertragen zu können - wer weiss - auch der Blick auf die ersten Fliesen an der Wand erhellen sein Gemüt nicht im Geringsten ...


Montag
Warum es wohl "pünktlich wie die Maurer" heisst, wenn der Fliesenleger der bisher einzig wirklich pünktliche Handwerker ist? Auf jeden Fall fängt er um 7 Uhr wie versprochen mit der Arbeit an. "Profi meets Ahnungslosen" könnte man(n) die Geschichte mit dem gelben Verschluss des Abwasserrohrs treffend untertiteln - denn selbstverständlich hat der Fliesenleger das Teil angebracht, um die Mieter vor dem Geruch des offenen Rohrs während der Trockenphase zu schützen. "Einfach rausziehen" meint der Fliesenleger lächelnd ...

Der Hausmeister betrifft die Szene - souverän wie immer macht er dem Mieter Mut. Das Bad sehe jetzt ja schon richtig gut aus und der Fliesenleger bestätigt, heute noch mit den Wänden fertig werden zu wollen. Dann wäre morgen der Boden und das Verfugen dran. Ja ... die Jungs der Abteilung Sanitär seien informiert, da im Stockwerk darüber heute die Endmontage des Bads gemacht wird. Die Glücklichen ... und am Mittwoch rücken sie dann hier an, um Toilette, Waschbecken und Anschlüsse zu montieren. Eigentlich sollte der Elektriker den überflüssigen Stromanschluss heute morgen schon blind legen - er war aber noch nicht da und der Fliesenleger meint, dass er unbedingt heute noch kommen muss. Der Hausmeister verspricht, sich darum zu kümmern. Nein - einen Termin mit dem Maler und der Ablesefirma für die Streicharbeiten resp. dem Setzen der Wasseruhren und der Verbrauchsanzeige der Heizung gibt es noch nicht. Ach ja ... die Heizungs-Jungs kommen ebenfalls am Mittwoch und dann nochmal der Elektriker wegen der Endmontage der Steckdosen ...

Langsam stellt sich ein erlösendes Gefühl ein - das Ende ist in greifbare Nähe gerückt ... so keine weiteren Katastrophen passieren ...

Der Fliesenleger behält seinen sehr sauberen Arbeitsstil bei und so hat er sich seinen Café, den der Mieter anbietet, auch wirklich redlich verdient ;-)

Es klingelt - der Mieter öffnet und vor der Tür steht einer der Sanitär-Jungs. Es sei ihm peinlich, aber er brächte zur Endmontage im Stockwerk darüber eines der Teile, die zum Anschluss des Spülkastens bereits beim Mieter verblieben sind. Sein Kollege hätte die Teile für die andere Wohnung vergessen. Kurz lodert Boshaftigkeit beim Mieter auf - kein Teil - keine Endmontage ... aber selbstverständlich gibt ihm der Mieter das Teil und erhält auf Nachfrage die Versicherung, dass das Teil am Mittwoch natürlich im Gepäck sein wird. Er verabschiedet sich mit den Worten: "Also dann bis Mittwoch so gegen 08:30 Uhr!" Der Mieter steht lächelnd in der Tür und träumt von ungestörten Badefreuden ...

Der Fliesenleger beendet mit einigen Überstunden seine Arbeit für heute - das Ergebnis kann sich sehen lassen und er war sogar so freundlich, das geliebte Not-Klo zu montieren - sicher hatte er am Morgen erkannt, dass die Mieter das trotz ihres jetzigen Wissenstands nicht auf die Reihe kriegen könnten ;-) Leider war der Elektriker heute nicht mehr da - also wird morgen früh gleich wieder der Hausmeister verständigt ... Also jetzt erstmal sauber machen ...


Dienstag
Nobel geht die Welt zugrunde ... dank Fliesenleger haben die Mieter jetzt einen Halogenspot im Bad, der das neue Weiss der Wandfliesen so richtig zu Geltung bringt - nachdem das Ganze in den letzten Tagen eher ein schwarzen Loch als ein Bad war, ist das eine wirklich schöne Erfahrung. Wie schnell man(n) alltägliche Dinge zu schätzen lernt ... Kürzer ist sie die neue Badewanne und tiefer ... der Mieter meint, das Bad wirke jetzt insgesamt grösser, die Mieterin ist genau gegenteiliger Meinung.

Ein Anruf beim Hausmeister erinnert an den Elektriker, der dann auch in Windeseile vor der Tür steht und binnen weniger Minuten den überflüssigen Anschluss entfernt. Nein ... die Steckdose gibt es erst, wenn der Fliesenleger verfugt hat. Dieser erinnert den Elektriker daran, dass die Steckdose wieder nicht das richige Höhenmass hat und bittet ihn künftig dran zu denken. Dann nimmt er seine Arbeit auf - der Mieter bedankt sich für die Montage des Not-Klos gestern. Lange ist nur wenig von ihm zu hören - und gegen 12 Uhr ist er bereits mit dem Verfugen der Wände durch und nimmt sich - offenbar ohne Mittagspause - den Bodenfliesen an. Dafür bietet der Mieter den schon obligatorisch gewordenen Café an, den er dankend entgegen nimmt.

Während die restlichen Bodenfliesen zugeschnitten werden, sitzt der Mieter auf seiner Couch und freut sich bereits darauf, dass das Materiallager im Flur heute verschwindet. Dann malt er sich aus, wie er morgen, nachdem die Abteilungen Sanitär & Heizung durch sind, die neuen Fliesen und das Drumherum vom Staub der letzten Wochen befreit und sich anschliessend genüsslich ein Bad einlässt. Ob nun mit oder ohne Steckdosen, Wasserzählern und geweisselter Decke - es wird bestimmt traumhaft. Oh ha ... Beleuchtung, Spiegelschrank und Zahnputzhalter müssen noch gesäubert werden - die Sanitär-Jungs wollten den Mietern diese Dinge noch an die Wand schrauben - "Besser ist das" denkt sich der Mieter bei der Erinnung an seine äusserst professionellen Bohrkünste ;-) Seine Gedanken schweifen erneut ab - nächste Woche ist er endlich nicht mehr den ganzen Tag an die Wohnung gebunden - "Raus - nur raus ..." denkt er und macht im Geiste bereits jede Menge Termine.

Fast wäre er über die eigene Bad-Tür gestolpert, die im Flur an der Wand lehnt - der Fliesenleger sitzt zusammengekauert im Flur und legt die Abschluss-Stücke an der Tür ... "Dann noch verfugen" meint er flüchtig ...

Die Tür ist wieder eingehängt ... der Mieter wird eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass er das Bad jetzt zwei Stunden nicht betreten darf - dann kann er - heute zur Abwechslung mal selbst - Hand anlegen und die Not-Toilette wieder montieren. Er ist zuversichtlich und bedankt sich für die Rücksichtnahme bezüglich der wirklich sauberen Arbeit.

Eine Überraschung hat er aber noch parat - die Badewanne wird vom Chef selbst heute mit Silikon ausgefugt - der kommt aber erst "irgendwann" nach Feierabend ... (Erfolgskontrolle?!) Also muss die Mieterin heute wohl auf das öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, um nach Hause zu kommen.

Morgen kommt das Sanitär ... es geht dem Ende zu ... hoffentlich ...


Mittwoch
Der Tag beginnt mit schlechten Nachrichten - die Abteilung Heizung meldet, dass der bestellte Heizkörper noch nicht eingetroffen ist. Man versucht mit dem Grosshändler telefonisch Kontakt aufzunehmen - das scheitert aber, da der Anschluss dauerhaft belegt ist. Der Mieter notiert seine Telefonnummer und soll binnen zwei Stunden einen Anruf und einen neuen Termin erhalten. Der Heizkörper des Mieters ist nicht der Einzige der fehlt und da der Hausmeister ab nächster Woche Urlaub hat, wollen die Heizungs-Jungs ihre "Stundenzettel" noch vorher unterschrieben haben. Sie bemerken, dass das Bad schön geworden sei und streicheln die noch stark verdreckten Fliesen liebevoll mit der Hand - das hatte der Mieter gestern auch schon getan ;-) und er hatte, als der Chef des Fliesenlegers die Silikonverfugungen aufbrachte, seinen Mitarbeiter ausdrücklich gelobt ...

Hm ... seit einer halben Stunde sollte die Sanitär-Abteilung zur Endmontage eingetroffen sein ... Der Hausmeister hatte gestern schon bemerkt, dass das Lüftungsgitter gerne von ihnen vergessen wird - nun ja ... sie werden den Endmontagetermin schon nicht vergessen haben oder? Und für den Gastauftritt des Malers gibt es nach wie vor keinen Termin.

Gegen 10 Uhr wird es dem Mieter zu bunt - er ruft bei der Hausverwaltung an und bittet die dortige Mitarbeiterin darum, dass sie den Hausmeister - den man(n) ja nur bis 8:30 Uhr telefonisch erreichen kann - kontaktiert, damit der Verbleib der Abteilung Sanitär geklärt werden kann. Wenig später ruft sie zurück um mitzuteilen, dass die Abteilung Sanitär einen Wasserrohrbruch in irgendwo verarztet. Ob die Jungs heute noch kommen ist nicht geklärt. Der Hausmeister würde gleich vorbei kommen ... Es klingelt - aber ... es ist der Maler - "Kleinigkeit" meint er - da nicht bekannt ist, ob Heizung und Sanitär heute noch kommen, wird für morgen früh ein Termin vereinbart. 3 Stunden und alles sei erledigt ...

Um 12:30 Uhr war der Hausmeister noch immer nicht da und ganz selbstverständlich haben sich auch die Jungs von der Abteilung Heizung nicht wie versprochen gemeldet. Der Mieter hat die neuen Fliesen mittlerweile vom gröbsten Dreck befreit, Türen ab- und Schränke ausgewaschen - nicht zuletzt um seinen Frust loszuwerden. Aber der will sich nicht verziehen ...

Gegen 13 Uhr schlägt er den bekannten Weg in den 4. Stock ein, um dem Maler vorzuschlagen, dass er doch gleich die Decke und die Wände macht - vielleicht kommt der Rest ja doch erst morgen und auf 3 Quadratmeter können keine drei Leute gleichzeitig arbeiten. Er will auf den Hausmeister warten, der noch vorbei kommen wollte - ach ja ... dahin auch - und würde sich dann beim Mieter melden.

Es ist schon unverschämt, dass der Mieter den Leuten hinterher telefonieren muss, während er zuhause rumsitzt - verlorene Zeit :-(

Gott sei Dank passt die Tür zum Badezimmer noch - sonst hätte auch noch der Schreiner kommen müssen ... Und ... da gestern beim Silikon aufbringen natürlich weder Waschbecken noch Toilette montiert waren, kommt der gute Mann "irgendwann" mal wieder vorbei, um das nachzuholen. Mal sehen ob sich der Elektriker wenigstens erbarmt und die Steckdose besorgt noch montiert ...

Um 14 Uhr kommt der Hausmeister dann doch noch und eröffnet das Gespräch mit den Worten: "Ich gebe mich geschlagen" ... tja ... Informationen sollten schon zeitnah weitergegeben werden - insofern also nichts Neues. Die Abteilung Sanitär kommt ganz sicher morgen um 08:30 Uhr - die Heizungen sind nach wie vor nicht geliefert - auch kein Termin dazu bekannt - der Maler kommt dann auch erst morgen und den krönenden Abschluss wird morgen Mittag der Elektriker mit der Montage einer Sicherheitssteckdose liefern.

Also ist der Mieter den ganzen Tag für umsonst zuhause rumgesessen - ist ja auch kein Problem - er hat ja Zeit ... mit neuerlichen Mordgedanken giesst er sich einen Café ein ...


Donnerstag
Gegen 8:30 Uhr klingelt das Telefon - mit schicksalsschwangeren Gedanken nimmt der Mieter ab - die Jungs von der Abteilung Heizung sind an anderen Ende. "Heizungen sind derzeit Mangelware" erkärt der gute Mann, aber eine Heizung hätte er doch noch bekommen und die würde er morgen früh gegen 8 Uhr dann auch beim Mieter montieren. Da die beiden anderen Wohnungen noch keinen Heizkörper erhalten, wird sie erstmal nicht funktionieren, da das Wasser aus dem Kreislauf abgelassen worden ist. "Kein Problem" erwidert der Mieter - schliesslich sind für die nächsten Tage tropische Temperaturen angekündigt. Allerdings stellt er klar, dass am Freitag um 12 Uhr Schicht ist - die Mieterin hat den Nachmittag frei, die Kidz sind ausser Haus und die Mieter wollen sich ein schönes und vor allem ruhiges Wochenende machen. "Ja ... Ja ... das klappt in jedem Fall" entgegnet der Fachmann Heizung schnell. Der Mieter bedankt sich artig und legt auf.

Um 9:15 klingelt es und die Abteilung Sanitär rückt ein. Halleluja! Aber ... natürlich hat auch deren Grosshändler noch nicht alle bestellten Teile zusammen und bevor der Mieter die Gesichtsfarbe wechseln kann, erklärt der Handwerker aber, dass er die Teile nachher noch abholen kann und die Endmontage definitiv gegen 13:30 Uhr erledigt sein soll, damit der Maler dann auch noch seine Arbeit verrichten kann. Das Café-Angebot ist von allen gerne gesehen und so entnimmt der Mieter noch ein wenig Wasser, bevor das Wasser zur Montage abgestellt wird.

Das Gitter für die Notentlüftung ist auch im Gepäck - der Hausmeister meinte, dass das gerne vergessen wird. Tja ... mal sehen, ob der Elektriker dann die Steckdose auch noch bringt oder ob da wieder telefoniert werden muss.

Oh ... oh ... Bohrhammergeräusche rufen den Mieter auf den Plan - nur für die erforderlichen Halterungen ... kein Grund zur Sorge ... Der Mieter ist empfindlich geworden ...

Wenig später verabschiedet sich der Handwerker mit Massgabe, die restlichen Teile jetzt zu holen - in ca. 20 Minuten sei er jedoch wieder da, denn der Grosshändler sei quasi um die Ecke.

Der Mieter steht im Flur - wie schnell das wieder nach Baustelle aussehen kann ... Ein Blick zeigt erste Fortschritte bei der Endmontage ... es klingelt ... "Der war ja wirklich schnell" denkt der Mieter ... es ist jedoch der Hausmeister, der sich nochmals alles ansehen will, den Schlüssel für die Wohnung im 4. Stock einsammelt - wird ja nicht mehr gebraucht - und sich in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet. Der Mieter - in Sachen Bauaufsicht ja jetzt ein echter Fachmann - fachsimpelt mit dem Hausmeister noch ein wenig über das Geschehene und damit verbundene Schwierigkeiten ... Zum Abschluss fragt der Mieter noch nach dem Elektriker - der käme heute Nachmittag - er müsse sich vorher noch um eine Verteilung kümmern. Na dann ...

Der Handwerker kommt bepackt zurück - im weiteren Verlauf der Montage stellt der Handwerker dann fest, dass das Lü:ftungsgitter nun doch fehlt. Ausserdem fehlt eine der Innenhalterungen des Absperrventils und der Haltegriff für die Badewanne ist stark deformiert und nicht zu gebrauchen ... "Solche Teile werden heute verkauft ..." macht der Handwerker seinem Unmut Luft - " ... wir melden uns dann bei Ihnen, wenn die restlichen Teile da sind." Mittlerweile hängt auch die Toilette und ein Testlauf ist positiv - scheint dicht zu sein. Nein - die Seifenschale an der Badewanne lassen wir weg und ja ... der Papierhalter ist da doch besser aufgehoben. Für den Handtuchhalter fehlen die Schrauben - er geht zum Auto und kommt erstmal nicht wieder - ein Blick auf die Uhr - Mittagspause ...

Der Mieter meldet an den Maler im 4. Stock, dass die Abteilung Sanitär in einer Stunde fertig ist und dass die Bemalung der Decke dann sofort starten kann. Der Mieter ist in Eile - er will soweit noch alles reinigen, bis die Mieterin nach Hause kommt - auch wenn die Planen im Flur noch nicht verschwinden können, da die Heizung ja morgen noch montiert wird.

Gut dass der Mieter nochmals alles kontrolliert, nachdem die Endmontage fertig ist, denn so kann der tropfende Ablauf des Mini-Waschbeckens - das alte war deutlich grösser - und die ebenfalls tropfende Mischbatterie an der Badewanne - die ist auch kleiner und innen nicht mehr so breit - gerichtet werden. Das Lüftungsgitter, das das Loch im Kamin verdecken soll wird, wie auch das defekte Absperrventil, baldmöglichst geliefert und montiert. Der Mieter händigt dazu seine Visitenkarte aus. Die Löcher für den Spiegelschrank und die Lampe sind schnell gebohrt - die Abteilung Sanitär verabschiedet sich.

Siehe da - der Elektriker trifft ein und montiert diese eine Steckdose - seltsam - eigentlich dachte der Mieter ja, dass im Bad keine normalen Steckdosen erlaubt seien. Aber der Elektriker meint, das sei so schon in Ordnung ... er muss es ja wissen ...

Der Maler lässt auf sich warten, erscheint dann aber gegen 15 Uhr doch noch und nach dem Bemalen der Decke ist klar, dass der Rand der Decke nochmals von ihm abgespritzt werden muss, da das Weiss in den grauen Fugen nicht sooo toll aussieht. Selbstredend hat er diesen Werkstoff nicht dabei - und der Termin wird für Montag Morgen vereinbart. Später nach dem Abtrocknen der Farbe in der Küche steht fest, dass die Farbe nicht so gut deckt, wie der Maler behauptet hat. Muss also auch nochmals gestrichen werden.

Der Mieter macht sich nun frisch an Werk - Bad putzen, den Flur von den Planen befreien, die Schränke ab- und auswaschen. Danach werden Küchen- und Badboden nass aufgewischt - es ist unglaublich, wieviel Kleister ein Maler mit drei Bahnen Rauhfaser im Bad verteilen kann :-( Dann wird der Hausflur gekehrt und ebenfalls nass aufgewischt - frischer Geruch verteilt sich im Haus und in der Wohnung und ... Gott kann eine solche Arbeit anstrengen - der Mieter hat den aufrechten Gang verloren und kriecht nun eher durch die Landschaft ...

Einrichtungsgegenstände werden wieder an ihren alten Platz geräumt und als die Mieterin zuhause ankommt und strahlt, weil alles soweit fertig ist, wird das Bad eingeweiht. Schnell macht sich Ernüchterung breit, denn in der kleineren Wanne kann nicht mehr wirklich zu Zweit gebadet werden. Also ... Zwergenwanne - das Wort Wannenwichtel bekommt für Momente eine vollkommen neue Bedeutung - und Mini-Waschbecken - soviel also zur Standardausrüstung ...

Und dann passiert, was passieren muss - der teure Vorwerk-Anti-Allergie-Staubsauger quittiert mit viel übelriechendem Elektrosmog seinen Dienst. Die Mieter sollten bald feststellen, was gute Staubsauger heute kosten :-(

Ermattet aber froh, dass ihre Wohnung jetzt wieder wie eine Wohung aussieht und auch so riecht, gehen die Mieter früh und sauber ins Bett ...


Freitag
Der Mieter hat für die Abteilung Heizung bereits wieder eine weiträumige Abdeckung in Stellung gebracht, damit sich der restliche Dreck im Rahmen halten kann. 8 Uhr ist längst vorbei und keiner von der Abteilung Heizung ist eingetroffen. Also weiter warten - so ist Zeit, das fast fertige Bad nochmals von allen Seiten zu belichten.

Mit 1 ½ Stunden Verspätung treffen die Heizungs-Jungs gut gelaunt ein und beginnen mit der Montage des Heizkörpers. Der Mieter erteilt ihnen einen deutlichen Hinweis zum Thema Reinlichkeit.

Der Mieter sieht nach der Post und trifft den Maler - er hat mittlerweile sein Material bekommen und stellt sein Kommen in ca. 30 Minuten in Aussicht. Ja ... ein wenig Heizkörperfarbe hat er auch dabei - die Halterungen für die Heizung müssen schliesslich auch noch gestrichen werden. Die Abteilung Heizung hat den Hausflur binnen weniger Minuten in ein Materiallager verwandelt - der Mieter steht fassungslos im Flur ... Die Arbeit wird durch ständiges Handy-Klingeln unterbrochen - na wenigstens sorgen die Jungs für die Erheiterung des Mieters, denn sie haben mehr als eine Geschichte auf Lager ... und eine Stunde später sind sie dann auch fertig.

Der Mieter sprintet in den 4. Stock, um dem Maler Bescheid zu geben und ein wenig Druck zu machen, denn das Wochenende beginnt heute um 12 Uhr und basta ...

Der Hausmeister stellt fest, dass im Hausflur die Wand auf des Mieters Seite durch die Erschütterung gerissen und teilweise eingebrochen ist. Muss also verputzt und gestrichen werden - Gott sei Dank ausserhalb der Wohnung und damit egal ...

Tja ... wenn der Maler sagt: "Ich komme sofort" dann bedeutet das eine Wartezeit von rund 30 Minuten - die Heizungsjungs haben die Heizungsanlage des Hauses wieder mit Wasser gefüllt und entlüften die Heizung des Mieters noch und führen noch ein Telefonat auf Kosten des Mieters bevor sie mit dem Hinweis entschwinden, dass die Kunden in der Regel gut gelaunt sind, wenn die beiden Stimmungskanonen entschwinden.

Der Maler schafft es dann auch noch - er spritzt die Decke nochmals in weiss ab - der Mieter ist sich nicht wirklich sicher, dass das jetzt besser aussieht ...

Der Mieter macht sich auf, die Mieterin in ein sorgloses Wochenende abzuholen ... das haben die Beiden sich in jedem redlich Falle verdient ;-)

Fazit
Bis zur Fertigstellung mit Einschränkungen sind insgesamt 18 Tage vergangen. Zwei Tage davon kann man als echten Leerlauf bezeichnen - diese hätten also eingespart werden können. Dreck & Staub sind wirklich übel und nicht nur für Menschen mit Allergien. Die Gemütsschwankungen reichen von "interessiert" über "die Nerven liegen blank" bis hin zu "mir doch egal". Am Tag der Fertigstellung fehlen:

  • Lüftungsgittter
  • Seifenablage an der Badewanne
  • Haltegriff an der Badewanne
  • Silikonverfugungen an Toilette und Waschbecken
  • Absperrventil für Warmwasser
  • Zweitanstrich Küche
  • Wasseruhren
  • Verbrauchsanzeige Heizung

Das wird sich über die Zeit sicher noch alles finden.

Würden sich die Mieter nochmals für eine Komplettsanierung entscheiden?
Die Antwort ist klar und eindeutig: Nein!


Epilog

Am 11.09. - also mehr als drei Wochen nach der offiziellen Fertigstellung - nahm der Mieter Kontakt zum Hausmeister auf, um die fehlenden Teile in Erinnerung zu bringen. Am Mittag kam dann ein Mitarbeiter der Abteilung Sanitär und erzählte die übliche Geschichte zum Thema Urlaub, Krankheit und viel Arbeit. Er nahm die fehlenden Gegenstände erneut auf, und teilte mit, dass er diese Dinge nur noch schnell in der Firma holen muss.

Nach einiger Zeit kam er wieder, montierte das Absperrventil - natürlich ein anderes, aber eine Abstellkammer muss ja auch keinen Schönheitspreis gewinnen - Zitat: "Hauptsache es passt und hält dicht!" Die fehlenden Verfugungen an Waschbecken und Toilette wurden dann mit durchsichtigem Material gemacht - immerhin haben wir jetzt auf zwei Quadratmeter Verfugungen in drei verschiedenen Farben - ein echter Hingucker also :-(.

Das Lüftungsgitter gestaltete sich schwieriger, da der Einsteckrahmen dafür selbstredend nicht passt. Zwar versuchte der Herr von der Abteilung Sanitär die Halterungen soweit aufzubiegen, damit er sich den Einbau des Rahmens sparen könnte, aber ... das klappte nicht auf Anhieb und der Mieter teilte mit seinem kritischen Blick mit, dass es besser sein würde, den beschwerlichen Weg zum Servicewagen nochmals anzutreten, um Hammer und Gips zu besorgen. Einige Minuten und viel Dreck später war der Rahmen eingebaut und nach einer sehr oberflächlichen Reinigung verabschiedete sich der Herr ...

Epilog - Die Zweite

Wer hätte es gedacht - es geht noch eine Nummer härter ... heute war dann doch noch ein Mitarbeiter der Firma da, welche die Verbrauchszähler montiert. Nach anfänglicher Verwirrung darüber, dass je eine Wasseruhr an den entsprechenden Abgriff montiert werden soll, erledigte er diese Arbeit und stellte dann fest, dass er keine passenden Abschlussrosetten dabei hat. Kann ja passieren und schliesslich braucht man die ja auch nicht, wenn man Wasseruhren montiert. Nachdem er dann den Laptop im Bad hochgefahren hatte, konnte er den exakten Montagepunkt für den Verbrauchszähler der Heizung bestimmen und brachte auch das zu Ende. Wegen der Abschlussrosetten wollte er sich dann umgehend melden. Auch das kennen wir ja zur Genüge ...

Eine halbe Stunde klingelt es erneut - vor der Tür steht wieder der Mitarbeiter und erklärt, dass er mit seinem Büro telefoniert habe und nun doch keine Wasseruhr für das Kaltwasser montiert werden würde, da der Verbrauch wie bisher per Umlage errechnet wird. Ratz fatz dreht er die Wasseruhr wieder raus und erklärt dann, dass das entstandene Loch natürlich nicht von ihm abzudecken sei und zieht dann seines Weges ...

Da muss also wieder der Hausmeister ran ... der ist ja morgen früh wieder erreichbar - neverending story ... auf jeden Fall sieht das Ganze so richtig designermässig aus.

Epilog - Die Dritte

Heute am 11. April 2003 ist der Hausflur unverändert - aber wen interessiert schon das Design eines Hausflurs?!



   † ad noctem †
      Daywalker      30.07.-16.08.2002



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