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Gerade neulich hatten wir uns im Forum unterhalten ... braucht mensch einen Trauerpunkt wie beispielsweise das traditionelle Grab, wenn ein lieb gewonnener Mensch stirbt?

Vor einigen Tagen nun ist meine Tante Anne gestorben - nach langer, schwerer Krankheit würde man geschrieben haben - so war es ihr Wunsch zu sterben - die Schmerzen hinter sich zu lassen ...

Nach vielen Jahren waren wir noch vor einigen Monaten bei ihr und während ich hier sitze, denke ich wieder daran ... im Alter - das sagte ich ihr schon vor Jahren bei einem Familientreffen - war sie meiner Lieblings-Oma (ihrer Schwester) immer ähnlicher geworden - und so sehe ich uns plötzlich als Kinder in Omas Wohnzimmer ... es klingelt und herein kommt Tante Anne und Onkel Hans - sie strahlt uns Kinder an, weil sie weiss, was nun kommt: "Können wir heute endlich den Rolls Royce und den Chauffeur sehen?" Dazu muss man wissen, dass Onkel Hans bei der Bank arbeitete und wir Kinder ihn als Bankdirektor sahen. Tante Anne erzählte uns eines Tages hinter vorgehaltender Hand, dass sie einen Rolls Royce und einen Chauffeuer hätten, weil Onkel Hans ja Bankdirektor war. Also wollten wir Kinder natürlich den Wagen und den Chauffeuer sehen ;-) Sie vertröstete uns augenzwinkernd immer auf den nächsten Besuch, weil der Chauffeuer natürlich schon abgefahren sei.

Eines Tages brachte Onkel Hans uns Kindern dann goldfarben schreibende Kulis mit - wow - das hatte niemand Anfang der 70er - und so waren wir für einen Tag die Kings und uns war klar, dass es auch den Rolls Royce gab, von dem uns die Tante immer erzählte ...

Erst viele Jahre später erfuhren wir, dass der Rolls Royce eine Erfindung war ...

Und so sitze ich hier - Tränen in den Augen und sehe sie die Himmelsleiter hinauf gehen und weiss, dass sie immer in meiner Erinnerung weiterleben wird ...

... die Tante mit Rolls Royce und Chauffeuer ...


   † ad noctem †
      Daywalker      03.03.2003



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