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Das letzte "Männershopping" lag doch schon einige Jahre zurück und so freuten sich Bert und Willi auf das gemeinsame Erlebnis am Samstag. Willi, deutlich früher wach, als das nach dem Laibach-Konzert am Vorabend zu erwarten gewesen war - er erwischte Bert im Chat und lud ihn spontan zum gemeinsamen Frühstück ein. Die Einladung kam Bert gerade recht und er legte die Strecke zu Willi in Rekordzeit zurück. Einige Nutella-Brötchen später, warf sich Willi seinen epochalen Mantel über und dann konnte es auch schon los gehen ...

Das erste Ziel sollte der Armee-Shop in der Innenstadt sein. Bert äusserte seine Sorge darüber, dass Willi den Weg vom Parkplatz bis zur Innenstadt, aufgrund seiner Altersschwäche oder wie auch immer, nicht schaffen würde. So steuerten die Beiden zuerst einmal einen freien Parkplatz an - Bert kramte seinen Stadtplan mit der Bemerkung: "Ich könnte mir auch mal einen Neuen kaufen!" heraus und sie machten sich ortskundig. Geben wir der Wahrheit den Vorzug - Bert machte sich schlau, denn Willi kann sich bekanntermassen auch in seiner Heimatstadt ohne Probleme verlaufen - so ausgeprägt ist sein Orientierungssinn ...

Nachdem Willi in etwa klar war, wo sich der Shop befand, schlug er eines der Parkhäusser im Stadtkern vor. Bert drehte den Zündschlüssel und weiter ging es Richtung Parkhaus. Überraschenderweise - schliesslich war Samstag Mittag - waren dort sogar noch Plätze frei - wenn Engel reisen ...

Raus aus dem Parkhaus und schon standen die Beiden mitten im Trubel einer Wohltätigkeitsveranstaltung - erwartungsgemäß zog Willi mit seinem Outfit die Blicke der Bürger auf sich - sehr zur Freude von Bert, der das Ganze sichtlich genoss. Sie überquerten also den Platz Richtung Armee-Shop während ihnen mehr oder weniger verstohlene Blicke folgten - Narzist der Willi nunmal ist, konnte die Blicke durchaus von hinten spüren - Sinn und Zweck der Übung ...

Nach einigen Minuten bogen sie in die richtige Strasse ein und Willi war schon gespannt, auf die taffe Verkäuferin, von der Bert im Vorfeld erzählt hatte. Kurzer Blick in die Auslage - rein in den Laden und da stand sie auch schon und begrüßte Bert mit einem Lächeln. Sie erkundigte sich zuerst bei Willi was er denn wolle ... "Ein paar schwarze BW-Hosen" sagte Willi und schob seinen Mantel zur Seite. Die Dame lachte und tönte lautstark, dass sie schon wüßte wie schwarze BW-Hosen aussehen. Dann fragte sie nach der Größe und Willi der sich voher extra von seiner Frau in die Hose hatte schauen lassen, lächelte und meinte "10". Die Dame lachte und klärte Willi darüber auf, dass sich die Zahl 10 nur auf die Länge beziehen würde. Also müsse Willi nochmals das "Röckchen" lüpfen meinte sie weiter, während sie das Massband holte. Mit geschickten Fingern fädelte sie das Massband um Willis Bauch, lächelte und erkundigte sich, was sie denn da jetzt messen würde - nur den Bauch oder vielleicht auch das Handy oder sonstige Utensilien - "Ganz schön frech" dachte Willi und erklärte, dass es sich hier "nur" um den Bauch handeln würde. Willi meinte das Feixen von Bert in sicherer Entfernung sehen zu können ... Mit zielsicherem Griff zieht die Dame dann die Hose aus dem Regal und meint: "Die wird passen" - Willi zieht sich in die Umkleidekabine zurück und während er Mantel etc. pp. ablegt hört er Bert, der die Dame darauf hinweist, dass seine Hose ruhig eine Nummer kleiner sein dürfte, da er nicht Willis Umfang habe. Willi verwirft den Gedanken auf eine Entgegnung gerade, als die nette Dame quer durch den Laden bei Willi zurückfragt, ob er denn auch gehört habe, was Bert da gerade gesagt hat. Willi lacht und raunt irgendetwas von " ... freches Pack ..." Zum Abschluss gibt es dann noch sehr eindringliche Hinweise zur Wäsche und Pflege der gerade erworbenen Kleidung - schliesslich sollen die Sachen ja eine Weile halten - und Männer brauchen das wohl nach ihrer Erfahrung ...

Nun ist es ja extrem uncool mit diesem Outfit und einer Plastiktüte in der Hand herumzulaufen evil Bert beruhigte Willi mit den Worten: "Steht ja nicht Aldi drauf" bot aber sofort an, die Tüte zu tragen. Willi verneinte mit dem Hinweis, dass man die Tüten ja auch gleich im Auto unterbringen könnte, bevor man den weiteren Weg in die Stadt antrat.

Auf dem Weg zum Parkhaus beschloss Bert den Rat von Willi anzunehmen und einfach einige Meter hinter ihm zu laufen, da er so die Reaktionen der Bürger auf Willis Outfit besser sehen konnte. Er schnappte dabei jede Menge lustiger Eindrücke und Bemerkungen auf - wie z.B. "Der ist aber nicht von unserer Theatergruppe!" - allerdings bemerkte Bert, dass die Bürger sehr wohl Willi aus dem Weg gingen, dann aber in der Folge bei/vor ihm aufliefen. Also beschloss er auf dem weiteren Weg auch mal vor Willi zu laufen - allerdings liefen die Bürger trotzdem nicht auf Willi auf ...

Das nächste Ziel war der skurile Laden, in dem Willi den neuen Mantel gekauft hatte. Dort wurde folgerichtig dann Willi persönlich begrüßt - sie sahen sich um - testeten erneut den Gothic-Königs-Stuhl, um zum Ergebnis zu kommen, dass man darin ganz hervorragend sitzt - allerdings mit 575 Euro induskutabel teuer ... Bert meldete, dass er nun einen Überblick gewonnen habe und damit war es Zeit für einen Café.

Leider waren draussen alle Tische besetzt - drin sah es nicht viel besser aus - das Café war vor einiger Zeit ausgebrannt und Willi wunderte sich, dass es heute auch nicht anders aussah, als vor dem Brand. Stickige Luft gepaart mit einem relativ hohen Lärmpegel nahm ihnen trotzdem nicht die Freude ... Sie bestellten, liessen ihre Blicke schweifen. unterhielten sich über dies und das - stellten fest, dass die Toiletten echt siffig sind - passten gut auf den Hund am Nachbartisch auf und beschlossen irgendwann den Einkaufsbummel fortzusetzen.

Auf dem Weg zur neueröffneten Buchhandlung - irgendwo hatten sie den neuen Laden auf dem Weg in die Stadt gesehen - egal - sie gingen einfach zum alten Laden - den gab es ja auch noch - legte Bert ein ordentliches Tempo vor und Willi wurde klar, dass er doch langsam alt wird. Vor einem Fitnessstudio kamen zwei Werbeleute auf sie zu. Willi schuf sofort Klarheit mit einer Geste des rechten Arms in Verbindung mit den Worten: "Vergiss es!" Der Werbemann sah gar nicht erst auf und trollte sich - Willi und Bert amüsierten sich köstlich.

Kurz vor dem Buchladen zeigte sich ein Bürger stark interessiert an Willis Mantel - er schrie von hinten quer durch die Menge die Frage nach der Herkunft des Mantels - Willi hob die rechte Hand, zeigte ein Peace-Zeichen - er würde niemals verraten, wo er einen solchen Mantel gekauft hatte - nichts ist schliesslich peinlicher als einem anderen im gleichen Mantel zu begegnen. Willi dachte gerade daran, wie oft man ihm schon - ohne Rücksicht auf den Preis - seinen vor Jahren in Berlin massgefertigten Daywalker-Mantel abkaufen wollte und lächelte dabei still vor sich hin ...

Mehrer Stockwerke voll interessanter Bücher - gemäss Informationstafel waren die Abteilungen Fantasy & Co. im ersten Untergeschoss zu finden - sie gingen also hinunter und während Willi versuchte zwischen all den Büchern etwas Geeignetes für Sie zu finden, schaute sich Bert ebenfalls ein wenig um. Als Willi seine Auswahl dann getroffen hatte, war Bert verschwunden. Nach erfolgloser Suche zückte Willi kurzerhand sein Handy und rief Bert an, der - wie sich dann herausstellte - ins Erdgeschoss gewechselt hatte grübel und dort in der Cartoon-Abteilung hängen geblieben war. Nach einigem zögern nahm er sich dann doch den sündhaft teueren Band mit. Willi stand an der Kasse an und sah, wie der Herr vor ihm seine Einkäufe in eine von diesen netten Tragetaschen, wie man sie auch in grossen Parfümerieläden bekommt, verpackt bekam. Willi bezahlte und maulte dann die Mitarbeiterin an, weil sie ihm eine Plastiktüte gab. Sie meinte ohne jede Gefühlsregung, dass nur eine solche schicke Tasche bekommt, wer über 40 Euro für seinen Einkauf bezahlt. Nun ja ...

Die Beiden machten sich auf den Rückweg und kurz vor dem Parkhaus rief eine ältere Frau noch aus: "Oh ... ich dachte eben da kommt der Papst!" - Bert rief ihr hinterher, dass es soweit dann doch noch nicht sei ...

Allerdings ging es nicht auf dem direkten Weg nach Hause, denn Bert war am Morgen noch mit einer endgeilen Idee gekommen Respekt, die es noch galt in die Tat umzusetzen. Danach hatten sich die Beiden ihr Abendessen, das Sie bereits vorbereitet hatte, redlich verdient. Sie streckten die Beine lang von sich - wie anstrengend Shopping doch sein konnte ...



   † ad noctem †
      Daywalker      16.10.2003



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