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Eine Geschichte aus dem neuen Zyklus: "Alltagsterrorismus" - Version 1.1



Wer kennt das nicht - lange Schlangen an der Kasse des Supermarktes und ganz sicher hat mensch sich an der Schlange angestellt, an der es betont langsam zugeht.

Ein wenig Unterhaltung könnte da nicht schaden, denken sich Willi und sein Freund Pit und machen sich zum gemeinsamen Einkauf auf - natürlich in der Hauptstosszeit ...

Kurz nach der, sich automatisch öffnenden, Eingangstür des Supermarkts das erste Hindernis - zwei Hausfrauen nebeneinander blockieren den Gang, während sie sich über das heutige Mittagessen beraten.

Eine betont freundliche Anfrage, ob mensch vorbei dürfte, muss erst wiederholt werden, bevor der Weg zum Warensortiment frei wird. Hurtig das Notwendige in den Wagen gepackt, um die Ecke Richtung Kasse abgebogen und ja - zwei Kassen sind offen - es warten mehr als 30 Kunden mit ihren z.T. übervollen Wagen.

Pit und Willi grinsen sich an und während Pit sich an der linken Schlange angestellt, wartet Willi bis sich an der rechten Warteschlage noch ein paar Kunden eingefunden haben. Dann stellt er sich versetzt zu Pit an der rechten Kasse an.

Und los gehts - Pit setzt sein Sonntagsgrinsen auf und beginnt, für jeden deutlch hörbar, deutsches Liedgut zu pfeifen - in diesem Falle: "Hoch auf dem gelben Wagen" - das Besondere daran ist, dass die Melodie bewusst zwei falsch gepfiffene Noten enthält. Denn ... wer hätte nicht schon einmal gerne dem Nachbarskind beim stundenlangen Üben der Tonleiter auf der Blockflöte oder dem Klavier "geholfen", wenn zum 127. Mal der Ton daneben der Richtige gewesen wäre - von dunklen Gedanken gar nicht erst zu reden ;-/

Zuerst einmal tut sich gar nichts - aber nach dem 4. Ansatz zu "Hoch auf dem gelben Wagen" kommt Stimmung auf - das kann Willi von seinem Logen-Platz sehr gut beobachten ;-) - man(n) sieht, dass der eine oder andere Kunde mit dem Gedanken spielt, den fröhlichen Pfeifer zur Ordnung zu rufen - andere Kunden in der Schlange werden nervöser - ja eine Frau bittet den Herrn dahinter mal ihren Wagen weiterzuschieben - sie müsse dringend noch etwas von hinten holen ...

Nun will man(n) das Ganze ja geniessen - ein Augen-Blick zwischen Pit und Willi genügt - Pit hört mit dem Pfeifen auf und Willi beginnt nun, in zunächst mässiger Lautstärke, das gleiche Liedgut zu summen - aber natürlich richtig. Damit stimmt man die Wartenden wieder gnädig - so die Überlegung der Beiden - und die Rechnung geht auf - die Warteschlangen werden wieder etwas ruhiger - die Dame, die "ganz hinten" etwas vergessen hatte trifft wieder ein und hat tatsächlich noch etwas, das sie in den Wagen packen kann. Ein grauhaariger Herr weiter vorn in der Warteschlage summt mittlerweile mit - wenn auch sehr leise ;-)

Ein paar Augen-Blicke später verstummt Willi und Pit setzt mit dem Pfeifen wieder ein - diesmal "Muss ich denn ..." Die falschen Töne wirken nun deutlich provozierender - aber der Deutsche ist gut erzogen einerseits - und andererseits kann ja niemand wirklich etwas gegen Fröhlichkeit und deutsches Liedgut haben ;-) und so bleibt der sogenannte "Knalleffekt" dann auch aus ...

Während sich die Schlange langsam weiter Richtung Förderband schiebt und Pit dann irgendwann seine Waren auf das Band legt, wechseln sich die Protagonisten in regelmässigen Abständen mit Pfeifen und Summen ab und der jeweils Andere geniesst nach aussen hin ruhig und mit innerlichen Lachanfällen kämpfend den tiefen Blick in die Gesichter und machmal auch in die Seele der Wartenden ...




   † ad noctem †
      Daywalker      01./07.06.2003



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