Header

Header

gewidmet meiner Fee

Veröffentlicht 2006 in der Anthology: Seelenfarben


Heute ist es auf den Tag genau acht Jahre her, dass wir beide ein Paar sind. Und während Du eingekuschelt daliegst und friedlich schläfst, laufen Bilder und Erinnerungen durch meinen Kopf ...

Zwischen uns gab es immer etwas "Besonderes" - in all den Jahren, die wir uns schon zuvor kannten, waren wir abwechselnd vernünftig ... Mal galten wir in den Augen Anderer als Paar - auf der Stadtmauer von Schwäbisch Hall oder fragte damals jemand anlässlich eines Computer Club Treffens: "Was - das ist gar nicht Deine Frau?" ... einmal spät nachts hast Du mir Deinen Schal umgelegt, ihn mir geschenkt und da stand ich dann noch lange, als Du längst weg warst, und roch daran ...

Als ob es gestern gewesen wäre, erinnere ich mich, wie ich damals in meinem Ein-Zimmer-Wohn-Klo stand und dachte: "35 Jahre bist Du alt, geschieden mit hoher Unterhaltsverpflichtung und schmalem Gehalt. Wer wird Dich denn schon noch wollen?"

Aus heutiger Sicht betrachtet, war das tatsächlich der Auftakt zum grössten Glück, das ich in meinem Leben je erfahren habe ...

Mein bester Freund hat damals meinen Um-/Aus-/Einzug organisiert - mein Leben passte in zwanzig Pappschachteln und es waren so viele Freunde da, um zu helfen - auch Du ... Unabhängig von meiner eigenen Wahrnehmung ermutigten mich damals unabhängig voneinander zwei Freunde, die sich vorher nicht kannten ... "Hast Du den Blick von ihr und den Ausdruck in ihren Augen nicht gesehen? Und Deinen, wenn Du sie ansiehst?" wurde ich gefragt - nein - ich hatte es nicht wahrgenommen ... der Schmerz und die Angst vor der Einsamkeit waren damals einfach zu gross und er überrollte mich - begrub mich unter sich und ich konnte - ja wollte nichts dagegen tun - ich liess es einfach geschehen ...

Mein bester Freund aber gab keine Ruhe ... ich begann wieder wahrzunehmen, was um mich herum geschah und sagte ihm, ich würde Dir einen Brief schreiben ... er meinte, ich sollte das ausnahmsweise einmal kurz und knapp tun, bevor die vielen Worte die eigentliche Aussage vernebeln würden ...

Weisst Du noch - zuerst dachten wir, dass wir besser Freunde bleiben sollten, statt nach einer gescheiterten Beziehung gar nichts mehr zu haben - Du hattest Angst zu fallen und ich sagte Dir, dass ich da sein würde, um Dich aufzufangen ...

Wir verschmolzen ineinander - konnten es oft nicht glauben - schrieben uns Karten, schickten uns Faxe aus dem Urlaub, vermissten einander, als wären wir eins ...

Ja ... es ist die beste, treffendste und zugleich kürzeste Beschreibung die es gibt:


... lagen nächtelang auf dem Bett und erzählten uns unser Leben - einfach alles - unsere Sehnsüchte, unsere geheimsten Wünsche, unsere Erlebnisse und unsere Ängste ...

Wie die letzten beiden fehlenden Puzzleteile fügten wir uns ein - alles passte ...

Sein zu können wie man ist - keine Umformung - keine Nörglerei - einfach Akzeptanz - ich denke, man kann sich das erst vorstellen, wenn man es erlebt hat ...

Du wolltest nie mehr mit einem Mann zusammen wohnen - ich zog "probehalber" bei Dir ein - gab wenige Monate mein Ein-Zimmer-Wohn-Klo auf ... Nun sagt man ja, dass eine Beziehung sich erst erweist, wenn die Zeit der "rosaroten Wolken" vorbei ist - insgeheim warteten wir darauf, dass der Alltag einkehren würde und er kam ... ein nahtloser, nicht spürbarer Übergang ...

Freunde fanden es "unnormal" dass wir uns nicht gestritten haben ... weisst Du noch - wir haben damals sogar mal einen Termin festgelegt an dem wir streiten wollten ;-) Oder ... als ich von den super-leckeren englischen Sandwiches schwärnte, wusstest Du wie man die macht ... - ich war beeindruckt ;-) und ich bin es heute noch - unvergessen so viele Episoden ... eine unglaublich glückliche Zeit, die wir zusammen verlebt haben und sicher noch verleben werden ...

Über all die Jahre ist unsere Liebe weiter gewachsen - wir schreiben uns noch heute Karten - jeder würde alles für den Anderen tun - wir sind für einander da und sitzen auf der Couch und halten Händchen, benehmen uns wie frisch Verliebte - können gar nicht genug voneinander bekommen ... leiden wenn wir getrennt sind und wünschen uns nichts sehnlicher als zusammen zu sein ...

Heute vor zwei Jahren haben wir geheiratet - damals bei der Scheidung erklärte ich vollmundig, nie wieder zu heiraten ;-) - eine echte Techno-Hochzeit und alle waren da, um mit uns unser Glück zu feiern ...

In der schwierigen Zeit, die dann folgte warst Du immer für mich da - gabst mir Halt - und davon habe ich viel gebraucht ... keine Vorwürfe sondern Verständnis - kein Streit sondern Diskussion - einfach wunderbar ...

Und so sitze ich hier, schau' Dich an - wie friedlich und schön Du aussiehst ... deshalb gab ich Dir den Kosenamen


und fast alle nennen Dich auch so - wegen Deiner grossen Kulleraugen und Deinem lieben, ausgleichenden Wesen und weil sie wissen, wie sehr Du mich verzaubert hast ;-)

Ich liebe Dich - für immer meine kleine Fee!






   † ad noctem †
      Daywalker      06.04.2003



Borderliner

2003 © by daywalker