Hefepilz - add. artwork by daywalker

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(eine Ode an Dr. Schniedel)


Seit einigen Jahren leidet Willi unter einer sogenannten Refluxösophagitis, die lebenslange Medikametierung mit Protonenpumpenhemmern erforderlich macht, um das Risiko des Speiseröhrenkrebs zu minimieren. Durch die Reduzierung der Magensäure besteht in 1 - 3 % der Fälle das Risiko, dass innere Organe durch nicht vernichtete Hefepilze (Candida albicans) befallen werden. Durch die gleichzeitige Gabe von Protonenpumpenhemmern und Nystatin, verbunden mit der Umstellung der Ernährung (vor allem Zucker fördert den Hefepilz) kann der Hefepilz erfolgreich bekämpft oder im Zaum gehalten werden. Das hatte auch ganz gut funktioniert ... bis letzte Woche ...

Massive Beschwerden machten den Gang zum Urologen erforderlich - keine schöne Sache wie man(n) sich denken kann ... und so bekam Willi nach Abgabe einer Urinprobe und der Beratung durch Dr. Schniedel ein weiteres Medikament namens Nizoral, dessen Wirkstoff "Ketoconazol" i.d.R. Pilzerkrankungen beseitigt. Soweit so gut ... Nach fünf Tagen war das Medikament aufgebraucht und die Beschwerden hielten sich zwar in Grenzen, waren aber nicht restlos beseitigt. Also war ein erneuter Gang zum Urologen fällig und Willi hatte aufgrund seiner früheren Erfahrungen bereits schlimme Vorahnungen, die ihm den Schweiss auf die Stirn trieben ...

Aber genug von den drögen Beschreibungen und ekligen Details - denn nicht umsonst fährt Willi fast 30 Kilometer einfach zu gerade diesem Facharzt ...

Willi hatte bei seinem allerersten Besuch bei diesem Arzt eines schätzen gelernt - seinen kruden.Humor! Und den setzte Dr. Schniedel beim Besuch gestern wieder einmal hemmungslos ein. Nachdem das allgemeine bla ... bla ... erledigt war, kam man(n) auf Details zu sprechen - es stand die Frage im Raum, was man(n) denn wohl tun könne, um den Hefepilz dauerhaft zu unterbinden, ohne ein Medikament wie "Nizoral" nehmen zu müssen, das z.T. übelste Nebenwirkungen haben kann. Dr. Schniedel machte klar, dass die Möglichkeiten da sehr begrenzt seien und die "Nystatin"-Dosis zunächst von minimal auf maximal zu erhöhen sei und dann zu hoffen ist, die Erkrankung damit wieder unter Kontrolle zu haben. Willi erklärte, dass der Protonenpumpenhemmer nicht abgesetzt werden kann - schliesslich würden damit nicht nur die Reflux-Beschwerden stark ansteigen, sondern er würde dann ja eines Tages an Speiseröhrenkrebs jämmerlich zugrunde gehen. Dr. Schniedel sah ihn an, seine Augen blitzen kurz auf, und dann sagte er: "Oder Sie sterben an Pilzvergiftung!" Er brach sofort in lautes schallendes Gelächter aus und Willi stimmte ein - froh darüber dass ihn Dr. Schniedel mit einer solchen kruden.Bermerkung von seinen schlimmen Vorahnungen ablenkte und zugleich war sein Lachen einfach ansteckend ...

Es dauerte eine Weile, bis sich Beide beruhigt hatten und Dr. Schniedel erklärt, dass ihm solche und ähnliche Bemerkungen immer spontan einfallen würden und sie dann einfach raus müssen. Willi, der das sehr gut nachvollziehen kann, macht klar, dass er u.a. auch deshalb so gerne zu Dr. Schniedel kommt. Dann bemerkt Willi noch, dass er sich gut vorstellen kann, dass das gelegentlich bei Patienten mit entsprechendem Leidesdruck nicht soooo gut ankommt - Dr. Schniedel bestätigt diese Annahme natürlich ...

Willi soll in 10 Tagen nochmals vorbeikommen und erneut eine Spermaprobe abgeben - Dr. Schniedel reicht Willi einen kleinen sterilen Behälter und erkärt, dass die Probe maximal eine Stunde alt sein darf - also solle Willi am besten kurz vor seiner Abfahrt zuhause für den Inhalt sorgen. "Allemal besser als hier" fügt Dr. Schniedel an - "Ich könnte hier ja nicht, wenn hier Betrieb herrscht und alle zwei Minuten einer an der verschlossenen Tür rüttelt" - was sich prinzipiell mit Willis Erfahrungen beim letzten Besuch hier deckt, als er die Spermaprobe gleich abgeben musste ...

In der Wand der Toilette, neben dem Waschbecken, befindet sich eine, mit einer Klappe gesicherte, Durchreiche, in die man(n) den beschrifteten Probenbecher zur Untersuchung stellt. Dr. Schniedel fragt, ob Willi wissen wolle, was er schon immer einmal machen wollte. "LoGo" entgegnet Willi und Dr. Schniedel meint: "Ich wollte schon immer mal diese Klappe nach ca. zwei Minuten aufreissen und reinbrüllen: "Ja wie - immer noch nicht fertig!" und während Beide nach Luft ringen, ob des neuerlichen Lachanfalls fügt Dr. Schniedel hinzu: "Entweder fällt demjenigen dann der Schniedel ab oder die Hand bleibt steif!" Auf dem Weg vom Sprechzimmer zur Information beruhigen sich die Beiden einigermassen - wobei das Lachen einige Male wieder hochkocht ... Die Mädelz an der Information kennen das schon und lächeln ... Willi bekommt sein neuerliches Rezept, macht einen Termin zur Übergabe der Spermaprobe und einen Weiteren nach der Analyse und verabschiedet sich ...

Trotz übler Beschwerden und eher unfreulichen Zukunftsaussichten verlässt Willi wohlgelaunt die urologische Praxis - "So hat das Ganze etwas ..." denkt er sich auf dem Weg zur Apotheke, wo er aufgrund des hohen Preises des Medikaments die EC-Card zücken muss ...


† ad noctem †
   Daywalker      25.05.2004




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