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Okay - jetzt ist es raus - auch unser Willi muss einmal im Monat Fast-Food haben - also ab zum Mäcces.

Willi weiss aus Erfahrung, dass mensch dort nicht nur kalorienbewusst essen kann, sondern er kann auch jede Menge Dinge erfahren, die die Menschen da draussen bewegen.

Grundsätzlich, und das weiss jeder Kunde, gibt es nur zwei Möglichkeiten - entweder ist es gähnend leer, oder aber es stehen ätzend lange Schlangen vor den Kassen. Jedes der beiden Szenarien ist durchaus geeignet, kurz in sich zu gehen, und den Gang durch die Ladentür nochmals zu überdenken. Aber nicht wegen der Gesundheit - nein - höchstens, weil Willi keinen Bock auf ewiges Warten hat oder aber weil wohl der Erfahrungsschatz nicht aufgebessert werden kann, wenn niemand an der Kasse wartet ...

Diesmal stehen vor den vier besetzten Kassen lange Schlangen - Willi hat Zeit und Lust darauf, Menschen in Ausnahmesituationen zu betrachten. Whow - was eine Vokabel - Ausnahmesituation! Aber ... das hat durchaus seine Berechtigung ...

Willi reiht sich also nahtlos in eine der Schlangen ein - ist irgendwie nicht so sein Ding, dichtgedrängt an Menschen zu sein, die er nicht kennt. Sein Blick schweift schnell noch hinüber zu den anderen Schlangen und er stellt fest, dass hauptsächlich Mütter mit Kindern anstehen - bedeutet Gezetere, weil es kein Cola gibt und Junior-Tüten, die Spielzeug enthalten, das erst mühseelig ausgewählt werden muss. Ganz vorne zwei Reihen weiter steht eine Frau, die gerade ein Vier-Personen-Menue auf das Tablett bekommt und dafür ordentlich Geld auf den Tisch legen muss. Nachdem sie das Wechselgeld umständlich in den Geldbeutel gepackt hat, dreht sie sich um und kreischt in dieser gefährlichen Stimmlage: "Jochen!" Niemand fühlt sich angesprochen und Sekunden später kreischt sie bereits deutlich lauter: "Joooochen!!!" Noch immer passiert nichts - einige Kunden drehen sich um - neugierig wer wohl Jochen ist - aber der gibt sich nicht zu erkennen ...

Sekunden später gellt es durch den Raum: "Joooochen - komm jetzt her und hilf mir gefälligst" Aus der Menge hört man: "Mach Deinen Scheiss doch alleine Helga!" Und während sich die Menschen nach Jochen umdrehen, nimmt Helga das Tablett auf, dreht sich in Laufrichtung um, und knallt das Tablett mit voller Wucht auf den Boden. Vier Softdrinks, vier Burger und viermal Pommes explodieren unter lautem Getöse des Tabletts auf dem Steinboden. Die Pampe spritzt auf alle Seiten und im Radius von einem Meter hat praktisch jeder etwas abbekommen.

Für einen kurzen Augen-Blick ist es totenstill - dann bricht der Sturm los. Und da ist wirklich alles dabei, was mensch sich so vorstellen kann. Vom schlichten Kopfschütteln bis hin zu wüsten und lautstarken Beschimpfungen, während man sich die Pommes umständlich von den Hosenbeinen und Schuhen schüttelt. Aufgeregte Mitarbeiter spurten eilig hin und her - zwei männliche Mitarbeiter traben mit Schrubber und feuchtem Lappen an und zwei weitere Mitarbeiterinnen versuchen guten Mutes, aufkommende Handgreiflichkeiten zu verhindern. Dazwischen das atemberaubende Gezeter von Helga, die behauptet, dass sie mit dem Frass machen könne was sie will, wenn sie ihn bezahlt hat und wie ein trotziges Kind, das nochmals fest in die Pfütze tritt, obwohl es gerade deshalb einen Anschiss kassiert hat, tritt sie mit ihren Stiefeln noch einige Male fest in die Pampe, die erneut aufspritzt, aber niemanden mehr trifft, da sich eine grosse Lücke gebildet hat - Willi glaubt über eine solche Situation schon einmal in einer Abhandlung über das Isolationsverhalten des Menschen gelesen zu haben ...

Helga drückt ihre Handtasche fest an sich und stürmt los - Richtung Ausgang - die Tür fliegt auf und Helga ist raus ... Langsam legt sich der Tumult wieder, Das Keifen der Wartenden wird nun zum Murmeln und manch einer nutzt den Umstand, dass jeder ein wenig Platz machen muss, damit die Reinigungskräfte ihre Arbeit machen können, um sich vor den Kassen neu und vor allem besser zu platzieren, als das zuvor der Fall war. Willi hat den Ausgang immer im Blick - aber niemand verlässt in den nächsten Minuten den Laden - Jochen hat sich wohl entschlossen zu bleiben - vielleicht besser so ...

Während nach einigen Minuten alles wieder in ordentlichen Bahnen verläufft, Burger und Softdrinks auf Tabletts und in Junior-Tüten wandern, Kinder quengeln und Wartende schnaufen, unterhalten sich die beiden Frauen vor Willi über die soziale Ungerechtigkeit von Hartz IV und dass die Dame links einen Bescheid über 187 Euro monatlich bekommen hat und nun nicht wiess, wie sie über die Runden kommen soll. Dann gibt die Dame ihre Bestellung auf und legt knapp 20 Euro dafür auf den Tisch ...

Kurzerhand beschliesst Willi, dass das mal wieder ne echt geile Show geile show war, ihm der Appetit aber trotzdem, oder gerade deshalb vergangen ist ...


07.01.2005




Borderliner

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